NACH HERNE

Eine für die Entwicklung der Stadt Bochum besonders wichtige Verkehrsachse war die Verbindung von Bochum nach Herne. Ausschlaggebend dafür waren insbesondere die Schachtanlagen der 1849 gegründeten „Gewerkschaft des Steinkohlen- und Bleierz-Bergwerks ver.(einigte) Constantin der Große“ in Riemke. Sie lagen auf halber Strecke zwischen den Zentren von Bochum und Herne.

Etwa 350 Meter südwestlich der Herner Straße wurde 1850 Schacht I der Zeche Constantin der Große abgeteuft. Ihn sehen wir oben auf einer Postkarte aus dem Jahr 1913. Die Postkarte gehört zur Sammlung Gretel Bauer in der Sammlung der Pressestelle der Stadt Bochum. Unten sehen wir, ebenfalls aus der Sammlung der Pressestelle der Stadt Bochum, Schacht II der Schachtanlage. Er wurde ab 1863 unweit der Herner Straße abgeteuft. Auf dem Gelände der schon bald zu einer Großschachtanlage vereinigten und am 31. März 1967 vollständig stillgelegten Zeche wurde Ende der 1980er-Jahre die Stadtbahn-Betriebswerkstatt Bochum-Riemke errichtet.

Auf der Suche nach einem leistungsfähigen Verkehrsträger, dachten die Kommunalpolitiker zunächst an eine Pferdebahn, später dann an eine dampfgetriebene Kleinbahn. Beide Konzepte hatten eher Nachteile als Vorteile.

Nachdem Siemens & Halske 1881 die erste elektrische Straßenbahn vorgestellt hatte, waren demgegenüber bereits vielerorts elektrische Straßenbahnen entstanden oder im Aufbau. Sie waren leistungsfähig und umweltverträglich. Deshalb galten sie schon bald als beste Lösung für den öffentlichen Personennahverkehr in der Stadt.

Auch in Bochum und Herne favorisierte die Lokalpolitik nach teils hitzig geführten Debatten die Anlage einer elektrischen Straßenbahn.

Um nicht mit der parallel verlaufenden Eisenbahn in Konflikt zu geraten – als Konkurrenz wurde die Straßenbahn bereits angesehen, wenn sie mehr als 200 Meter neben der Eisenbahn herlief – plante man unter Beachtung des Kleinbahngesetzes von 1892 eine ausschließlich für den Personenverkehr bestimmte Kleinbahn (Straßenbahn). Diese sollte am Rand bereits bestehender Straßen einen Fahrweg erhalten. Um jeglicher Konkurrenz zur Eisenbahn aus dem Weg zu gehen, wurde für das Bochumer Projekt eine Spurweite von 1000 mm festgelegt.

Nun galt es, eine geeignete Baufirma zu finden.

Aufgrund der vorgelegten Referenzen, erhielt im Juni 1893 die Berliner Firma Siemens & Halske den Auftrag, die Straßenbahn von Bochum nach Herne zu bauen.

Der Auftrag war an die Auflage gebunden, die Straßenbahn auf eigene Rechnung und möglichst wirtschaftlich zu betreiben. Im Gegenzug gewährten Stadt- und Landkreis der Bahn das Monopol, bis 1930 auch alle künftigen Straßenbahnlinien in Bochum zu bauen und zu betreiben.