NACH WANNE

Nach den Straßenbahnstrecken nach Herne und zur Kanonenwerkstatt wurde am 20. Oktober 1896 die dritte, von Bochum ausgehende Straßenbahnverbindung in Betrieb genommen. Sie führte über Hamme und Eickel nach Wanne. Die Streckenlänge betrug 3,86 Kilometer. Am Eröffnungstag entstand das im Siemens Historical Institute erhaltene Titelbild dieses Kapitels in der damaligen Kaiserstraße in Eickel. Sie wurde später in Hindenburgstraße umbenannt. Heute ist sie die Hauptstraße.

Die neue Strecke begann in einer großzügigen Ausweiche am „Kortländer“. Sie verlief dann auf der rechten Straßenseite der Dorstener Chaussee (später Dorstener Straße) bis zum Bahnhof „Bochum-Präsident“. Dieser war nach der unmittelbar benachbarten, 1871 abgeteuften Zeche Präsident, Schacht II (ursprünglich Schacht Wilhelm), benannt. Überregional bekannt wurde die Schachtanlage durch den Bergarbeiterstreik von 1889. Die Kohleförderung auf „Präsident“ wurde bereits unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben.

Nach der Kreuzung mit der zwischen 1867 und 1876 eröffneten Bahnstrecke von Bochum über Riemke nach Gelsenkirchen, wurde das Gleis in unveränderter stadtauswärts rechter Seitenlage durch die Gemeinde Hamme und die Gemarkung Marmelshagen bis zur Schachtanlage Hannibal in Hofstede geführt. Hier kreuzte die Straßenbahn sowohl die sogenannte „Preußische Salzbahn“ von Hofstede-Riemke nach Wanne als auch das Anschlussgleis der Zeche Hannibal.

ÜBER DIE HEUTIGE STADTGRENZE

Nach einer 90 Grad Kurve wechselte das Gleis auf die südliche Seite der Riemker Straße. Nach etwa 300 Metern und einer erneuten Kreuzung von Anschlußgleisen der Zeche Hannibal wurde die heutige Eickeler Straße erreicht. Auf ihr ging es in linker, westlicher Seitenlage weiter bis zum Eickeler Markt.

Den Eickeler Markt passierte die Straßenbahn auf der Südseite, um dann über die sehr enge Straßenschlucht der Herzogstraße die Kaiserstraße (heute Hauptstraße) in Eickel zu erreichen.

Die von Osten nach Westen durch Eickel verlaufende Kaiserstraße war bereits um die Jahrhundertwende eine bedeutende Geschäftsstraße. Auf der östlichen Seite wird die Straße bis heute durch die 1896 fertiggestellte evangelische Johanniskirche begrenzt. Der im September 1944 zerstörte Turm wurde bis zum November 1952 in moderner Form wieder aufgebaut.

Bereits bei der Eröffnung der Straßenbahn gab es in der Kaiserstraße eine Ausweiche, die schon bald zu einem rund 400 Meter langen doppelgleisigen Streckenabschnitt ausgebaut wurde. Sie war später der Ausgangspunkt für die doppelgleisige Weiterführung der Strecke nach Wanne-Süd.

ENDSTELLE AM BAHNHOF BOCHUM-SÜD

Die Wanner Linie wurde in den ersten Betriebsmonaten vom „Kortländer“ über die am 1. März 1896 eröffnete Innenstadtverbindung bis zum Bahnhof Bochum-Süd geführt. Sie ersetzte auf dieser Verbindung der zunächst eingesetzten Pendelwagen. Nach etwas mehr als einem Jahr, mit dem Winterfahrplan des Jahres 1897, wurde die Linie bis zum „Kortländer“ zurückgezogen. Im Gegenzug wurden jetzt Wagen der Linie Bochum – Herne bis zum Bahnhof Bochum-Süd geführt.