NACH WANNE

Am 20. Oktober 1896 wurde die dritte von Bochum ausgehende Straßenbahnverbindung in Betrieb genommen. Sie führte über Hamme und Eickel nach Wanne. Die Streckenlänge betrug 3,86 Kilometer.

Am Eröffnungstag entstand das im Siemens Historical Institute erhaltene Titelbild dieses Kapitels in der damaligen Kaiserstraße in Eickel. Sie wurde später in Hindenburgstraße umbenannt. Heute trägt der Straßenzug den Namen Hauptstraße.

Die neue Strecke begann in einer großzügigen Ausweiche am „Kortländer“. Ausgangspunkt der nach Wanne fahrenden Wagen war jedoch im ersten Jahr der Bahnhof Bochum-Süd. Von hier wurde zunächst die am 1. März 1896 eröffnete Innenstadtverbindung genutzt, auf der in den Monaten zuvor ein Pendelwagen eingesetzt worden war.

Im ersten Betriebsjahr wurde jedoch deutlich, dass es mehr Sinn machen würde, die Linie Bochum – Herne zum Bahnhof Bochum-Süd durchzubinden. Mit dem Winterfahrplan des Jahres 1897 wurde die Wanner Linie deshalb zum „Kortländer“ zurückgezogen.

NACH NORDEN ÜBER DIE CHAUSSEE

In nördlicher Richtung verlief die neue Strecke zunächst über die 1874 angelegte Dorstener Chaussee (später Dorstener Straße) bis zum Bahnhof „Bochum-Präsident“.

Der Bahnhof wurde als Haltepunkt an der ehemaligen Rheinischen Bahn zwischen den Bahnhöfen Gelsenkirchen-Wattenscheid und Bochum-Nord angelegt. Namensgebend war die 1871 eröffnete Zeche Vereinigte Präsident. Während die Schachtanlage I / IV in einiger Entfernung zum Bahnhof auf dem Gelände des heutigen Industriegebiets Präsident an der Straße „Seilfahrt“ lag, befand sich die auf der nachfolgenden Postkarte abgebildete Schachtanlage Präsident II (ursprünglich Schacht Wilhelm) in Sichtweite zum Bahnsteig (Sammlung Stadt Bochum, Pressestelle).

UNTER DEN LINDEN

Die staatliche Eisenbahnverwaltung untersagte zunächst die Kreuzung der Rheinischen Bahnstrecke und der Anschlussbahn zum Schacht II: der rege Verkehr auf der Bahnstrecke hätte auch den Fahrplan der Straßenbahn empfindlich gestört.

Die Straßenbahnstrecke wurde deshalb vom Bahnhof Präsident über eine Rampe in der Querstraße (seit 1979 Signalstraße) zur damaligen Bahnüberführung im Zuge der Straße „Unter den Linden“ (ab 1929 Redemptoristenstraße, seit 1953 Präsidentstraße) geführt.

Über die Straße „Unter den Linden“ kehrte die Straßenbahn zur Dorstener Chaussee zurück.

Während die Straßenbrücke durch eine moderne Fußgängerbrücke ersetzt wurde, zeugt eine am Haus Präsidentstraße 47 erhalten gebliebene Oberleitungsaufhängung bis heute vom einstigen Verlauf der Straßenbahnstrecke.

  • Die Präsidentstraße in Bochum-Hamme im März 2022.
    Foto Ludwig Schönefeld

Die unter Nutzung von Luftbildern aus den 1920er-Jahren (© RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0) angefertigte Skizze dokumentiert den Fahrweg im Zustand des Eröffnungsjahres.

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