IN DER STADT

Die Städteverbindungen von Bochum nach Gelsenkirchen, Hattingen, Herne, Wanne-Eickel und Witten prägen bis heute das Netz der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG. Für die Stadtentwicklung ebenso bedeutend waren die innerstädtischen Verbindungen in Bochum.

Die erste Innenstadt-Verbindung war die Strecke von der Dorstener Straße zum Bahnhof Bochum-Süd in Verlängerung der Strecke vom „Kortländer“ nach Herne.

Mit dem zunehmenden Ausbau des Straßenbahnnetzes – am 20. Oktober 1896 war die Verbindung nach Wanne und am 22. Juni 1898 die Linie nach Weitmar eröffnet worden – belasteten die Rangierarbeiten am Bahnhof Bochum-Süd zunehmend den übrigen Straßenverkehr in der Bahnhofstraße.

In den Anfangsjahren waren die Rangierarbeiten insbesondere auf den Umstand zurückzuführen, dass es am Bahnhof Bochum-Süd noch eine ebenerdige Kreuzung mit den Staatsbahngleisen gab. Diese durfte nur in den Tagesrandstunden genutzt werden, um die Straßenbahnwagen für die Linie nach Weitmar vom Betriebshof Voedestraße auf die Strecke zu bringen.

Um das Verkehrshindernis zu beseitigen, wurde 1899 der Umbau des Bochumer Bahnhofsvorplatzes angegangen – einschließlich des Baus einer Straßenunterführung zwischen der Bahnhofstraße und der Hattingerstraße. Am 24. August 1901 konnte der „Märkische Sprecher“ berichten, dass nunmehr die Straßenbahngleise im Bereich der Unterführung verlegt würden.

Mit der Einführung des Winterfahrplans 1901 konnten die Straßenbahnwagen, die inzwischen vom neu eröffneten Betriebshof Weitmar aus eingesetzt wurden, die neue Unterführung im Planbetrieb passieren. Um die Bahnhofstraße von Rangierarbeiten zu entlasten wurde die Weitmarer Linie nunmehr bis zum „Kortländer“ geführt. Dort bestand jetzt auch die Umsteigemöglichkeit zu den Straßenbahnen nach Herne und Wanne, die zuvor über die Innenstadt-Verbindung bis zum Bahnhof Bochum-Süd fuhren.

Um die Situation weiter und vor allem nachhaltig zu entspannen – die rangierenden und pausierenden Straßenbahnwagen belasteten nach wie vor die Bahnhofstraße – beantragte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG die Verlegung der Endstelle für die Linien nach Herne und Wanne auf den Bahnhofsvorplatz.

Am 27. Oktober 1900 erteilte das Regierungspräsidium in Arnsberg, am 8. Dezember 1900 dann auch die Königliche Eisenbahndirektion die Erlaubnis, auch dieses Projekt umzusetzen. 1901 konnte die als Stumpfgleis ausgeführte Endstelle in Betrieb genommen werden.

Das Beitragsbild (Verlag P. Caspar, Bochum – Sammlung Ludwig Schönefeld) zeigt die Endstelle am Bahnhof Bochum-Süd, vermutlich im Winter 1901. Im Bild zwei der gerade ausgelieferten Weyer-Triebwagen. Bei näherer Betrachtung wird deutlich, wie stark sich bereits um die Jahrhundertwende die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer behinderten. So wird das Gleis weniger Meter hinter den rangierenden Straßenbahnwagen von einer Kutsche blockiert. Jeder Verkehrsteilnehmer, ob Automobil oder Pferdefuhrwerk muss die Engstellen irgendwie und möglichst ohne Kollision passieren.

Die neue Endstelle wurde von der Bahnhofstraße im 90-Grad-Winkel abzweigend vor dem links zu sehenden, hellen Gebäude der Königlichen Eisenbahn-Betriebsinspektion angelegt. Über ein Gleisdreieck konnte das Endstellengleis sowohl aus nördlicher als auch aus südlicher Richtung angefahren werden.

Die nachfolgende Bildfolge simuliert anhand historischer Postkarten eine Fahrt mit der Straßenbahn von der Bahnhofstraße über die Friedrich-, Hoch- und Kortumstraße zum „Kortländer“.

  • Die Fahrt durch die Bochumer Innenstadt beginnt an der Ecke Bahnhof- und Friedrichstraße.
    Verlag Paul Caspar, Bochum - Sammlung Ludwig Schönefeld