IN DER STADT

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Vielleicht noch wichtiger als die Städteverbindungen, die heute noch das mittlere Ruhrgebiet prägen, waren für die Stadtentwicklung in Bochum die – aus heutiger Sicht – innerstädtischen Verbindungen in Bochum. Die erste Verbindung dieser Art war die Verbindung von „Kortländer“ zum Bochumer Bahnhof.

Ihr folgten über die Jahre eine ganze Reihe weiterer Verbindungen. Die Motive für ihren Bau waren dabei sehr unterschiedlich.

ZUM STADTPARK

Die historisch am schlechtesten dokumentierte, am kürzesten betriebene und deshalb auch weitgehend aus der Erinnerung verschwundene Straßenbahnstrecke ist die Verbindung von der Wohlfahrtstraße im Ehrenfeld über die Königsallee und die Bochumer Innenstadt zur Zeche Constantin 6/7 in Grumme.

Die 1912/13 eröffnete Verbindung erschloss den eleganten Stadtteil Ehrenfeld. Dazu wurde ihre Strecke ab der Kreuzung mit der Farnstraße über den Mittelstreifen der Königsallee bis zur Wohlfahrtstraße geführt.

Zwischen der heutigen Graf-Engelbert-Schule und der Schillerschule passierte die Linie den Rechener Park. Am Eingang des Parks gab es eine elegante Wartehalle mit Fahrkartenverkauf, die nach unterschiedlicher Nachnutzung in den 1990er-Jahren zusehends zerfiel und trotz konservatorischer Rettungsversuche 2019/20 abgebrochen wurde.

Auf ihrem Weg zum Bahnhof Bochum-Süd passierte die Verbindung das 1908 eröffnete Apollo-Theater, das Parkhotel Haus Rechen und den ehemaligen Adelssitz Haus Rechen. An seiner Stelle entstanden nach dem Krieg der Neubau des Bochumer Schauspielhauses und die Kammerspiele.

Zwischen der Innenstadt und Grumme führte die Linie über die nicht minder elegante Kaiser-Wilhelm-Straße und die Bergstraße bis zur sogenannten „Kaiser-Aue“. Die Straßenbahn erschloss auf diesem Teilstück die Oberrealschule am Kaiser-Wilhelm-Denkmal (heute Goethe-Gymnasium), den Standpark und das bis 1974 existierende Ausflugslokal „Kaiser-Aue“. Dieses war 1902 durch den Gutsbesitzer Theodor Helf an den Grummer Teichen errichtet worden. Fortan gab es hier Fahrgeschäfte und sportliche Attraktionen für die Stadtbevölkerung.

Auf dem letzten Streckenstück erreichte die Bahn über die heutige Tenthoffstraße die Endstelle am Zechentor der Schachtanlage Constantin 6/7 in der Hiltroper Straße.

Die neue Linie wurde als Linie 9 in Betrieb genommen. Mit Wirkung vom 22. Mai 1937 wurde sie unter dieser Bezeichnung bis zur Kaiseraue (diese Schreibweise war inzwischen üblich) zurückgezogen. Zur Zeche Constantin fuhr jetzt nur noch die Verstärkerlinie 19.

Aufgrund der Zerstörungen in der Innenstadt musste die Linie 9 1944 eingestellt werden. Erst am 1. Mai 1947 war zwischen Bochum-Süd und der Kaiseraue der Verkehr wieder möglich. Ein Jahr später, am 3. August 1948 konnte die Linie wieder auf der gesamten Länge in Betrieb genommen werden.

Bald darauf begann ihr schleichender Niedergang. Im Mai 1950 wurde das Teilstück Kaiser-Aue – Zeche Constantin 6/7 endgültig aufgegeben. Dem folgt am 8. Dezember 1951 die provisorische Umstellung auf die Omnibuslinie 53 umgestellt, um in Bochum den „Durchschlag“ der neuen Königsallee vom Bahnhof Bochum-Süd zum Schauspielhaus ungehindert bauen zu können.

Im August 1952 wird – trotz offiziellem Straßenbahn-Ersatzverkehr – die Oberleitung in Grumme entfernt. Im März 1953 wird der für eine Fortführung der Linie 9/19 vorgesehene Mittelstreifen der neu gebauten Königsallee zwischen der Wohlfahrtstraße und der Kreuzung Markstraße mit Erde verfüllt und begrünt.

Im Oktober 1953 entfernt man die Straßenbahnschienen auf der Kreuzung der Bergstraße mit dem Ruhrschnellweg. Im Juli / August 1954 werden schließlich auch zwischen der Kreuzung mit der Farnstraße und der Kreuzung mit der Wasserstraße die Schienen herausgerissen.

Zeitgleich erneuert die Stadt die Straßendecke der Königsallee zwischen dem Schauspielhaus und dem eigenen Bahnkörper in Höhe der Farnstraße: Bei der Neuanlage der Königsalle 1953 hatte man bereits auf eine Gleiskreuzung mit Durchführung in die Königsallee zugunsten eines Weiterbetriebs der Linien 9 und 19 verzichtet. Das Omnibus-Provisorium wurde zum unumkehrbaren Dauerzustand.

Rückwirkend war die schleichende Einstellung der Linie 9 / 19 vielleicht ein Fehler. Beim Ausbau der Königsallee war zwischen der Farnstraße und Stiepel ein großzügiger Mittelstreifen für die Straßenbahn freigehalten worden. Nicht zuletzt war die 9 / 19  mit der Passage des Rechener Parks und des Stadtparks wohl auch die schönste Straßenbahnverbindung in Bochum.