ÜBER DIE STADTGRENZE

In Hofstede / Marmelshagen kreuzte die Straßenbahn sowohl die sogenannte „Preußische Salzbahn“ von Hofstede-Riemke nach Wanne als auch das Verbindungsgleis zwischen den Schachtanlagen Hannibal I/III in Hofstede und Hannibal II in Eickel.

Ein beliebtes Ausflugsziel war das im Gleisdreieck der Eisenbahnlinien vis-a-vis der Schachtanlage Hannibal I/III angelegte Restaurant „Zum Kaisergarten“ von Friedrich Schulte. Das Gleis der Straßenbahn wechselte vor dem Haus über eine 90-Grad-Kurve von der Dorstener Chaussee auf die südliche Seite der Riemker Straße.

Nach weiteren rund 300 Metern und der erneuten Kreuzung von Anschlußgleisen der Zeche Hannibal wurde nach der Gemeindegrenze die heutige Eickeler Straße erreicht. Auf ihr ging es in linker, westlicher Seitenlage weiter bis zum Eickeler Markt.

Den Eickeler Markt passierte die Straßenbahn auf der Südseite, um dann über die sehr enge Straßenschlucht der Herzogstraße die Kaiserstraße (heute Hauptstraße) in Eickel zu erreichen.

KAISERSTRASSE

Die von Osten nach Westen durch Eickel verlaufende Kaiserstraße war bereits um die Jahrhundertwende eine bedeutende Geschäftsstraße. Auf der östlichen Seite wird die Straße bis heute durch die 1896 fertiggestellte evangelische Johanniskirche begrenzt. Der im September 1944 zerstörte Turm wurde bis zum November 1952 in moderner Form wieder aufgebaut.

Bereits bei der Eröffnung der Straßenbahn gab es in der Kaiserstraße eine Ausweiche, die schon bald zu einem rund 400 Meter langen doppelgleisigen Streckenabschnitt ausgebaut wurde. Sie war später der Ausgangspunkt für die doppelgleisige Weiterführung der Strecke nach Wanne-Süd.

An dieser Stelle entstand um die Jahrhundertwende ein bemerkenswertes Postkartenmotiv (Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund – Sammlung Ludwig Schönefeld). Auftraggeber war vermutlich der Wirt des Restaurants auf der linken Bildseite. Er war so stolz auf die Straßenbahn, dass er den Eingang seines Lokals mit „Haltestelle der Strassenbahn“ kennzeichnete. Der Mann, der die Werbebotschaft anbrachte, ist mit seiner Leiter ebenso auf dem Bild verewigt wie die lokale Jugend.

Besonders ist auch der rechts gezeigte Triebwagen 59. Er ist einer der am Jahresanfang 1900 von der Waggonfabrik „Düsseldorfer Eisenbahnbedarf vorm. Carl Weyer & Cie.“ gelieferten zwei Prototypen (Triebwagen 58 und 59) für eine Serie moderner Straßenbahnwagen. Bis 1908 folgten den Prototypen insgesamt 71 Triebwagen in drei Serien (Triebwagen 76 bis 102, 120 bis 150 und 151 bis 163).

Die Postkarte erschien übrigens zunächst in schwarz-weiß. Im Januar 1907 wurde sie erneut aufgelegt – nunmehr coloriert.

Belebt ist die Kaiserstraße, die heute Hauptstraße heißt, nach wie vor. Das zeigt das von Stefan Höltge am 12. Juni 1995 an der Haltestelle „Eickel Kirche“ aufgenommene Bild von Triebwagen 39 (Düwag 1968) in der sogenannten „City-Express“-Lackierung.