IMPROVISATION

Die Umbauarbeiten in der Bochumer Innenstadt begannen nach der erfolgreichen Durchführung des 73. Deutschen Katholikentag. Er wurde vom 1. bis 4. September 1949 in Bochum ausgerichtet. Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG stellte für den Transport der Gläubigen alle einsatzfähigen Fahrzeuge zur Verfügung. Das Stadtzentrum blieb für den Individualverkehr gesperrt. Rund 600.000 Gläubige besuchten die Abschlussmesse auf dem Gelände des heutigen Gewerbegebietes an der Gahlenschen Straße und der „Seilfahrt“.

Im Sommer/Herbst 1951 lag der Fokus der Baukolonnen auf der Rathauskreuzung. Sieht man sich heute die Fotos vom Umbau der Straßen und von der Neuanlage der Gleistrassen in der an, stockt der Atem. Mut und Improvisation trieben die Bauarbeiter an. Die Bauleiter und Poliere dürften demgegenüber manch schlaflose Nacht erlebt haben.

Über die bereits in die endgültige Lage gebrachten Gleise der Neubaustrecken, wurden provisorisch die zur Aufrechterhaltung des Verkehrs notwendigen Gleisjoche gelegt. Als Unterlage dienten stabile Holzklötze. Die Oberleitung wurde „tagesaktuell“ an die Gleislage angepasst.

Spannend war die Situation auch im Verlauf der Bongardstraße. Hier lagen alte und neue Gleise an der Einmündung des Hellwegs vorübergehend übereinander und zugleich im Verlauf der Oberen Marktstraße nebeneinander. Dies war besonders aufgrund der Neigung der Wittener- und Bongardstraße nicht ungefährlich.

Fotografen aus dem Kreis der Verkehrsamateure hielten das Geschehen im Bild fest. Die Stadt selbst dokumentierte den Umbau in einem 35mm-Film.

ALT UND NEU

Der Gleisplan der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG vom März 1955 zeigt bereits den vollständigen Ring, aber auch die zu diesem Zeitpunkt noch zwischen dem Bahnhof Bochum-Süd und dem Gleisdreieck in der Bleich- und Brückstraße existierende „Hellwegstrecke“. Die ehemalige Endstelle der Linie 5/15 am Bahnhof Bochum-Nord war bereits zugunsten des neuen Ostrings verschwunden. Interessant dürfte insbesondere die vierfache Gleiskreuzung im Verlauf des Südrings gewesen sein.

Die 1955 mit modernen Großraumwagen und KSW-Zügen bestückte Linie 2 wurde vom Bochumer Rathaus zum Bahnhof Bochum-Süd geführt. Dort gab es jetzt in der neuen Viktoriastraße eine großzügige, dreigleisige Endstellenanlage. Die Rückfahrt nach Gelsenkirchen führte durch eine Wendeschleife, die ausgehend von der Bahnhof-/Kortumstraße über die Kirchstraße (seit 1979 Kerkwege) angelegt worden war.

Das Foto des Düsseldorfer Straßenbahnfreundes Peter Boehm zeigt die Bauarbeiten im Oktober 1951 an der Bahnhofstraße. Triebwagen 175 (Gastell 1924, ex 261) hatte kurz zuvor neue Führerstände mit einer großen Frontscheibe erhalten. Vom 25. April 1958 bis zur Ausmusterung im Februar 1962 war der Triebwagen noch als Reklamewagen 645 in Betrieb.