HAUPTBAHNHOF

Zeitgleich mit dem Innenstadtring entstand etwa 650 Meter vom Bahnhof Bochum-Süd entfernt ein neues Zentrum für den Personennah- und -fernverkehr: Der Bochumer Hauptbahnhof.

Die politische Entscheidung für die Verlegung des Bahnhofs war im Juni 1953 im Rat der Stadt Bochum gefallen.

Die Bauarbeiten begannen im Februar 1954. Parallel mit der Verlegung der Gleisanlagen wurde am 12. Oktober 1955 mit der Errichtung des neuen, repräsentativen Empfangsgebäudes begonnen.

Es setzt bis heute mit der geschwungenen Dachkonstruktion der Vorhalle einen städtebaulichen Akzent. Sehenswert sind auch die beiden Mittelbahnsteige für den Fernzugverkehr. Auch sie bestechen durch ihre geschwungenen Betondächer.

Bemerkenswert: Einer der „Väter“ des neuen Hauptbahnhof, der Architekt, Heinz Ruhl, war gerade einmal 22 Jahre alt, als er gemeinsam mit Wilhelm Bangen und der Bundesbahndirektion Essen den Gebäudekomplex entwarf.

AUFNAHME DES ZUGVERKEHRS

Der Zugverkehr wurde am 30. Mai 1957 aufgenommen. Die elektrische Oberleitung wurde am 2. Juni 1957 eingeschaltet.

Wie der bisherige Bahnhof Bochum-Süd war und ist auch der aktuelle Bochumer Hauptbahnhof ein Durchgangsbahnhof, schmal angelegt, mit ursprünglich drei Bahnsteigen und sechs Richtungsgleisen. Erst im Vorfeld der am 26. Mai 1974 eröffneten S-Bahn Rhein-Ruhr kam ein vierter Bahnsteig im nüchternen Design der 1970er-Jahre hinzu.

Zuletzt entstand über der ehemaligen Fahrkartenausgabe mit viel Beton und starken Armierungen ein bescheidener Hausbahnsteig für die mit kurzen Triebwagen bediente Pendelverbindung von Bochum über Hamme, Riemke und Wanne-Eickel nach Gelsenkirchen.

STADTBAHN RHEIN-RUHR

1970 erfolgte hinter dem Hauptbahnhof in Bochum, auf dem damaligen Buddenbergplatz der erste Spatenstich für den Bau der Stadtbahn Rhein-Ruhr. 1976/77 entstand eine zweite offene Baugrube auf dem Bahnhofsvorplatz.

Bis Mitte 1978 entwickelte sich der Hauptbahnhof zur größten und spektakulärsten Baustelle in der Stadt. Um den Straßenbahnverkehr weiter einigermaßen „normal“ abwickeln zu können, wurde über der Baugrube für die Straßenbahn eine Brücke errichtet.

Die offene Bauweise hatte den Vorteil, dass die Arbeiten relativ zügig durchgeführt werden konnten und die Zeit der Umleitungen und Provisorien rückblicken auf eine überschaubare Zahl von Monaten eingegrenzt werden konnte.

Bereits im Mai 1979 konnte die Stadtbahnhaltestelle Bochum Hauptbahnhof für die Linie 8/18 eröffnet werden. Der Weg zum Bahnsteig führte in der ersten Zeit durch Bretterverschläge und über Gänge und Treppen aus rohem Beton.

KREUZUNGSBAHNHOF

Heute verbindet der Kreuzungsbahnhof „Bochum Hauptbahnhof“ die Achsen des Meterspurnetzes mit der Fernbahn und der U 35.

Nach der Verfüllung der Stadtbahnbaugruben entstand auf dem Budenbergplatz ein Hotel, ein Parkhaus für die Bahnreisenden sowie integriert in diesem Baukomplex die neue BOGESTRA-Verkehrsleitzentrale.

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der neue Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) geschaffen. Die Omnibuslinien fuhren nun nicht mehr die für die 1950er- und 1960er-Jahre typischen „Bahnsteige“ an. Sie hielten jetzt reihum an einem geräumigen und damit kundenfreundlichen, überdachten Mittelbahnsteig mit kurzen und ungefährlichen Umsteigewegen.

Der Bahnhof selbst wurde in den Jahren 2001 bis 2005 behutsam durch die Architekten Ulrich Krampe und Peter Reiter saniert. Dabei blieb trotz einiger Eingriffe viel von der historischen Substanz erhalten. Das Erscheinungsbild der 1957 spektakulären Front der ursprünglich vollverglasten Empfangshalle jedoch hat durch den Einbau von Ladenlokalen Großzügigkeit und architektonischen Charme verloren.

Das Beitragsbild, das als Postkarte von der Bahnhofsbuchhandlung von Lengerke aus Bochum angeboten wurde, zeigt den neuen Bochumer Hauptbahnhof kurz nach der Fertigstellung (Sammlung Ludwig Schönefeld).