BETRIEBSWERKSTATT RIEMKE

Für die Wartung und als Abstellanlage für die auf der U 35 eingesetzten regelspurigen Stadtbahnwagen entstand ab November 1984 auf dem Gelände der ehemaligen Schachtanlage „Constantin der Große“ die Betriebswerkstatt Bochum-Riemke.

Der neue Standort sollte nach der ursprünglichen Planung in zwei Abschnitten gebaut werden. Die Kapazität wurde zunächst für 34 Stadtbahnwagen des Typs „B“ ausgelegt. Verwirklicht wurde davon bisher nur der erste Bauabschnitt.

Das Grundstück der Betriebswerkstatt liegt etwa 300 Meter westlich der Stadtbahn-Strecke Bochum – Herne. Die Brachfläche der ehemaligen Zeche zwischen der Herner Straße im Osten, der Poststraße im Süden und der Straße „Auf dem Dahlacker“ im Westen bot sich für den Bau der Betriebswerkstatt geradezu an: Es liegt einige Meter unter dem Niveau der Herner Straße, sodass nur eine geringe Höhendifferenz zwischen dem Stadtbahn-Tunnel und dem Werkstattgelände mittels einer Rampe überwunden werden muss. Über diese Rampe fahren die Stadtbahnwagen vom U-Bahnhof „Riemke Markt“ in die Betriebswerkstatt ein.

Nach der Vorbereitung des Baugrunds wurde am 24. April 1985 der Grundstein für das Betriebsgebäude gelegt.

Ein halbes Jahr später, am 15. Oktober 1985, konnte das Richtfest für die Werkstatthalle gefeiert werden. Die anfangs 25 Meter breite und 55 Meter tiefe, fünfgleisige Halle wurde aus Stahlbeton-Fertigteilen errichtet. Im Eröffnungsjahr wurden die Stadtbahnwagen hier an sechs Arbeitsständen gewartet.

Außerhalb des Gebäudes wurden in der ersten Ausbaustufe neben einem 450 Meter langen Prüfgleis, das insbesondere Bremsprüfungen aus höheren Geschwindigkeiten ermöglicht, in der ersten Ausbaustufe ein Umfahrungsgleis sowie Abstellgleise mit einer Gesamtlänge von 240 Metern angelegt. In diesem Bereich wurden die Gleistrassen als offener Oberbau mit Schwellen und Bettung ausgeführt.

In der Werkstatthalle können alle betrieblich notwendigen Reparaturen ausgeführt werden – bis hin zum Austausch der Drehgestelle oder zur Bearbeitung der Radsätze mittels einer Unterflur-Drehbank. Eine mit einer Regenerationsanlage ausgestattete vollautomatische Wagenwaschanlage sorgt während der nächtlichen Betriebsruhe für die Säuberung der Fahrzeuge.

An die Werkstatthalle schließt sich im Süden das zweistöckige Sozialgebäude des Betriebshofes an. Neben Büro- und Sozialräumen für die Mitarbeitenden der Stadtbahn-Betriebswerkstatt befinden sich in diesem Gebäude kleinere Werkstätten für Feinmechanik-, Elektrik und Elektronik sowie einige Lagerräume.

Sämtliche Gebäude wurden als Reminiszenz an die einstige Zechenarchitektur der Schachtanlage Constantin der Große rotbraun verklinkert.

KEINE ZWEITE AUSBAUSTUFE

Im einst geplanten maximalen Endzustand sollte die Stadtbahn-Betriebswerkstatt Bochum-Riemke mehr als 100 Stadtbahnwagen sowie die für den Stadtbahnbetrieb notwendigen schienengebundenen Arbeitsfahrzeuge beherbergen. Ebenso war vorgesehen, die Gleisanlagen im Westen an den Güterbahnhof Bochum-Riemke anzuschließen. Baumaterialien wie Schotter, Schienenprofile und Schwellen, aber auch zusätzliche Fahrzeuge sollten über das Anschlussgleis von der Bahn direkt auf das Gelände der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG transportiert werden.

Wie komplex die Gleisanlage ursprünglich geplant war, vermittelt die nachfolgende Planskizze (BOGESTRA 1979).

Die Kosten für den Bau der neuen Betriebswerkstatt wurden Anfang der 1980er-Jahre für den Endzustand mit 60 Millionen Mark angegeben. 60 Prozent der Summe sollten vom Bund, 30 Prozent vom Land Nordrhein-Westfalen und 10 Prozent von den beteiligten Städten getragen werden.

Die Planung des „Stadtbahn-Betriebskonzeptes C/D“ aus dem Jahr 1979 ging davon aus, dass das normalspurige Stadtbahnnetz in Richtung Witten und Gelsenkirchen erweitert werden würde.

Es blieb am Ende bei der Stammstrecke der U 35 zwischen Herne, Schloss Strünkede und der Endstelle Hustadt. Die zweite Ausbaustufe der Stadtbahn-Betriebswerkstatt wurde damit obsolet. Der Plan, die Anlage im Westen an den Güterbahnhof Bochum-Riemke anzuschließen, wurde fallengelassen.

Den heutigen Ausbauzustand der Gleisanlagen zeigt der nachfolgende Ausschnitt aus dem Stadtplanwerk Ruhrgebiet (© RVR und Kooperationspartner 2022 – dl-de/by-2-0):

Der erste Stadtbahn-Triebwagen traf am 20. Oktober 1988 in Bochum-Riemke ein. Am 2. September 1989 wurde die U 35 für den Fahrgastverkehr eröffnet.

Das Beitragsbild zeigt Triebwagen 6004, 6009 und 6010 im Frühjahr 1989 vor der Betriebswerkstatt. Weitere Impressionen und eine aktuelle Luftbildansicht der Stadtbahn-Betriebswerkstatt vermittelt der nachfolgende Slider.

  • Die Einfahrt zur Stadtbahn-Betriebswerkstatt im Frühjahr 1989 mit den ersten B-Wagen.
    BOGESTRA-Fotosammlung / Stadtarchiv - Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte FO 12