NACH CASTROP

Die Abteufung der Großschachtanlagen „Lothringen“ in Gerthe und „Constantin der Grosse“ in Hiltrop veränderte die zuvor landwirtschaftlich Gemeinden im Norden nachhaltig. Mit den Zechen entstanden neue Kolonien. Die vergleichsweise gut bezahlten Arbeitsplätze im Bergbau sorgten für eine sprunghafte Bevölkerungsentwicklung.

Vor diesem Hintergrund bemühten sich die Gemeinde Gerthe und die benachbarte Gemeinde Harpen um eine gute und leistungsfähige Verbindung nach Bochum und dort insbesondere zu den ehemals Rheinischen und Bergisch-Märkischen Eisenbahnstrecken an den Bahnhöfen Bochum-Nord und Bochum-Süd.

Vor diesem Hintergrund suchte man im Jahr 1905 den Kontakt mit der Stadt Bochum und der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG, der von der Stadt und dem Landkreis Bochum das Monopol für den Bau neuer Straßenbahnlinien zugestanden worden war.

Eine Straßenbahnstrecke nach Gerthe und Harpen stand jedoch nicht auf der zwischen der Stadt Bochum und Siemens & Halske erarbeiteten Prioritätenliste. Siemens & Halske lehnte es als Betreiberin der Straßenbahnstrecken auch ab, für einen Verbindung in den Bochumer Norden gegenüber der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG eine Zinsgarantie zu übernehmen. Die bereits bestehenden Strecken hatten keine ausreichende Verzinsung des Anlagekapitals erwirtschaftet.

Damit mussten die Gemeinden Gerthe und Harpen selbst aktiv werden. Am 6. Dezember 1907 gründeten sie die Kleinbahn Bochum – Gerthe – Harpen GmbH, um die erwünschte Straßenbahnverbindung auf eigene Rechnung zu bauen und zu betreiben.

Am 17. August 1908 erteilte das Regierungspräsidium in Arnsberg die Konzession „zum Bau und Betrieb einer eingleisigen, elektrischen Straßenbahn vom Bahnhof Bochum-Süd nach Gerthe mit einer Abzweigung nach Kirchharpen“. Damit war der Grundstein für die spätere Westfälische Straßenbahnen GmbH gelegt.

Als Generalunternehmer wurden die Siemens-Schuckertwerke in Berlin verpflichtet. Am 15. Juli 1908 wurde mit dem Gleisbau begonnen. Bereits am 23. Dezember 1908 konnte die 8,6 Kilometer lange Verbindung von Bochum nach Gerthe und Kornharpen in Betrieb genommen werden.

OPTIMIERUNG DER BETRIEBSABLÄUFE

Bereits im ersten Betriebsjahr stellte sich heraus, dass die Lage der Ausweichen nicht optimal war. Durch lange Wartezeiten in den Ausweichen lag die Reisegeschwindigkeit bei lediglich 11,63 km/h. Zum Vergleich: Auf der Strecke Bochum – Herne erzielte Siemens & Halske eine Reisegeschwindigkeit von 16 km/h.

Um durchschnittliche Reisegeschwindigkeit zu erhöhen und die Abläufe zu verbessern wurde der Abzweig Harpen deshalb bereits im November / Dezember 1909 doppelgleisig ausgebaut. Darüber hinaus entstand an der Ziegelstraße eine neue Ausweiche, während die Ausweichen Cäcilienstraße und Parallelstraße ausgebaut wurden.

Im Ergebnis lag die neue Reisegeschwindigkeit bei 16,67 km/h.

Das Beitragsbild (Siemens Historical Institute) zeigt Triebwagen 7 einige Monate nach der Eröffnung 1909 am Schwanenmarkt in Bochum. Im Hintergrund ist die gemauerte Brücke der Rheinischen Bahn zu sehen. Sie wurde im Zusammenhang mit dem Ausbau des Castroper Hellwegs durch eine Stahlbogenbrücke ersetzt.