STRUKTURWANDEL

Der Mitte der 1960er-Jahre begonnene Autobahnbau zwischen Langendreer und Witten sowie zwischen Laer und Werne brachte für die Führung der Straßenbahnlinien große Veränderungen.

NEUE FÜHRUNG DER LINIE 10

Die in den 1960er-Jahren strategisch wichtige Linie 10 erhielt im Zusammenhang mit dem Autobahnbau ab dem 27. April 1971 eine neue, stadtbahngerecht ausgebaute Trasse im Mittelstreifen der neu angelegten Wittener Straße. Von dort wurde sie über ein kurzes Stück der Universitätsstraße auf den alte Linienweg in der Baroper Straße geführt.

Mit einer hauptsächlich von der Straßenbahn genutzten modernen Betonbrücke vor der Ausweiche „Wasserturm“ wurde die neue A 44 überquert. Eine in späteren Jahren weitgehend zugewachsene Rampe führte zurück auf die bisherige Trasse am Papenholz und die in Witten anschließende Bochumer Straße.

Die eingleisige Straßenbahnstrecke in der heutigen Alten Wittener Straße wurde mit der Inbetriebnahme der Neubaustrecken stillgelegt.

Die im Jahresverlauf 1962 in Bochum-Laer für den Einsatz von Einrichtungswagen gebaute, dreigleisige Wendeanlage am Opel-Werk I wurde bis zum 26. Juli 1974 genutzt. Als Ersatz entstand in der neuen Wittener Straße eine neue Umsetzanlage für Zweirichtungswagen.

Das Titelbild zeigt einen Zug der Linie 10 am 4. April 1971 auf der alten Wittener Straße knapp drei Wochen vor dem Anschluss der Neubaustrecke über die heutige Wittener Straße. Im Hintergrund ist Ümmingen zu erkennen.

Nachfolgend finden Sie weitere Impressionen der alten und neuen Streckenführung.

  • Hier kreuzt die neue Wittener Straße. 1956 war die 10 in Laer noch auf der alten Trasse unterwegs.
    Foto Dieter Höltge - Sammlung Stefan Höltge

EINSTELLUNG IN WERNE

Die Linie 20, die nach der Übernahme der Westfälischen Straßenbahn GmbH durch die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG 1938 über Werne zum Bahnhof Langendreer verlängert worden war, wird am 30. Juni 1969 eingestellt.

Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG bezweifelte, dass sich die durch den Bau der Autobahn A 43 notwendige Verlegung der Strecke zwischen Laer und Werne auf den neuen Werner Hellweg amortisieren würde. Dies auch, weil die weitere wirtschaftliche und demographische Entwicklung von Werne nach dem laufenden Strukturwandel vom Bergbau zu neuen Industrien nicht absehbar war.

Bis zur Einstellung der Straßenbahnverbindung nach Werne hatte die das Verkehrsunternehmen kontinuierlich in den Ausbau der Strecke investiert. Im Juni 1962 etwa wurde mit dem Bau einer kurzen, eigenen Trasse die kritische Engstelle in der Rüsingstraße entschärft. Zugleich wurde die Kreuzung mit der Anschlussbahn der Zeche Robert Müser neu angelegt.

Die Bildfolge vermittelt einen Eindruck von den letzten Betriebsjahren der Linie 20 auf der Strecke zwischen der Bochumer Innenstadt und Langendreer.

  • Unsere Fahrt nach Langendreer beginnt am Bochumer Rathaus. 23. Juni 1956.
    Foto Dieter Höltge - Sammlung Stefan Höltge