STRUKTURWANDEL

Zu Beginn der 1960er-Jahre waren die die Linien 10 und 20 sowie die im Bochumer Stadtgebiet eingesetzte Verstärkerlinie 30 stark frequentiert.

In den Hauptverkehrszeiten wurden die überwiegend mit modernen Gelenkwagen bestückten Plankurse der Linien 10 und 20 mit vierachsigen Beiwagen verstärkt: Sie wurden auf der Linie 10 zwischen dem Walzwerk Höntrop und dem Betriebshof Witten mitgeführt.

Auf der Linie 20 fuhren die Beiwagen zwischen der Umsetzweiche in der Engelsburger Straße und der Ausweiche im Werner Hellweg in Höhe des Hellbrügger Feldes. Wenn der Fahrplan unter Druck geriet, konnte es vorkommen, dass die Beiwagen im Westen bis Eppendorf und im Süden bis Werne Amtshaus am Wagen blieben. Die starke Steigung vor dem Amtshaus verlangte in diesen Fällen die höchste Aufmerksamkeit des Fahrpersonals.

Über Nacht und am Wochenende wurden für die Linie 10 zwei vierachsige Beiwagen im Betriebshof Witten abgestellt.

Die Beiwagen der Linie 20 waren im Betriebshof Bochum stationiert.

Auf dem nachfolgenden Bild vom 25. April 1966 sehen wir einen Aufbautriebwagen, der zwei zuvor auf der Linie 20 eingesetzte Großraumbeiwagen nach getaner Arbeit in den Betriebshof schleppt (Foto Dieter Höltge – Sammlung Stefan Höltge).

NEUE FÜHRUNG DER LINIE 10

Der Mitte der 1960er-Jahre begonnene Autobahnbau zwischen Langendreer und Witten sowie zwischen Laer und Werne brachte für die Führung der Straßenbahnlinien große Veränderungen.

Die Linie 10 erhielt im Zusammenhang mit dem Autobahnbau ab dem 27. April 1971 eine neue, stadtbahngerecht ausgebaute Trasse im Mittelstreifen der neu angelegten Wittener Straße. Von dort wurde sie über ein kurzes Stück der Universitätsstraße auf den alte Linienweg in der Baroper Straße geführt.

Mit einer hauptsächlich von der Straßenbahn genutzten modernen Betonbrücke vor der Ausweiche „Wasserturm“ wurde die neue A 44 überquert. Eine in späteren Jahren weitgehend zugewachsene Rampe führte zurück auf die bisherige Trasse am Papenholz und die in Witten anschließende Bochumer Straße.

Die eingleisige Straßenbahnstrecke in der heutigen Alten Wittener Straße wurde mit der Inbetriebnahme der Neubaustrecken stillgelegt.

Die im Jahresverlauf 1962 in Bochum-Laer für den Einsatz von Einrichtungswagen gebaute, dreigleisige Wendeanlage am Opel-Werk I wurde bis zum 26. Juli 1974 genutzt. Als Ersatz entstand in der neuen Wittener Straße eine neue Umsetzanlage für Zweirichtungswagen.

Das Titelbild zeigt einen Zug der Linie 10 am 4. April 1971 auf der alten Wittener Straße knapp drei Wochen vor dem Anschluss der Neubaustrecke über die heutige Wittener Straße. Im Hintergrund ist Ümmingen zu erkennen.

Nachfolgend finden Sie weitere Impressionen der alten und neuen Streckenführung. Besonders interessant sind die Veränderungen rund um das Opelwerk. Die Luftbilder aus dem Jahr 1969 (© RVR – 1957-1980 – dl-de/by-2-0), aus dem Jahr 2006 © RVR – 1999-2006 – dl-de/by-2-0) und aus dem Jahr 2020 (© RVR – 2020 – dl-de/by-2-0) dokumentieren dabei in besonderer Weise den Wandel der Stadt vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort.

  • Hier kreuzt die neue Wittener Straße. 1956 war die 10 in Laer noch auf der alten Trasse unterwegs.
    Foto Dieter Höltge - Sammlung Stefan Höltge

EINSTELLUNG IN WERNE

Die Linie 20, die nach der Übernahme der Westfälischen Straßenbahn GmbH durch die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG 1938 über Werne zum Bahnhof Langendreer verlängert worden war, wird am 30. Juni 1969 eingestellt.

Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG bezweifelte, dass sich die durch den Bau der Autobahn A 43 notwendige Verlegung der Strecke zwischen Laer und Werne auf den neuen Werner Hellweg amortisieren würde. Dies auch, weil die weitere wirtschaftliche und demographische Entwicklung von Werne nach dem laufenden Strukturwandel vom Bergbau zu neuen Industrien nicht absehbar war.

Bis zur Einstellung der Straßenbahnverbindung nach Werne hatte die das Verkehrsunternehmen kontinuierlich in den Ausbau der Strecke investiert. Im Juni 1962 etwa wurde mit dem Bau einer kurzen, eigenen Trasse die kritische Engstelle in der Rüsingstraße entschärft. Zugleich wurde die Kreuzung mit der Anschlussbahn der Zeche Robert Müser neu angelegt.

Die Bildfolge vermittelt einen Eindruck von den letzten Betriebsjahren der Linie 20 auf der Strecke zwischen der Bochumer Innenstadt und Langendreer.

  • Unsere Fahrt nach Langendreer beginnt am Bochumer Rathaus. 23. Juni 1956.
    Foto Dieter Höltge - Sammlung Stefan Höltge