CASTROPER STRASSE

Der Ausbau des Streckennetzes nach Castrop und Lütgendortmund wurde gut angenommen. An verkehrsreichen Tagen mussten zusätzliche Wagen auf die Strecke geschickt werden, um den Verkehr zu bewältigen. Die eingleisige Streckenführung auf der Castroperstrasse (heute Castroper Straße) erwies sich dabei zunehmend als Engpass.

Ein weiteres, betriebliches und sicherheitstechnisches Problem war das starke Gefälle der Castroperstraße zwischen der Einmündung der Cäcilienstraße (heute Klinikstraße) und dem Schwanenmarkt bei der „Talfahrt“ der Straßenbahn.

Um die Situation zu entschärfen, regte die Westfälische Straßenbahn GmbH an, für die Talfahrt nach Bochum eine Route mit weniger Gefälle zu nutzen. In diesem Kontext beantragte das Unternehmen am 25. November 1912 die Freigabe der Cäcilien- und Bergstraße, um dort eine neue Strecke für die talwärts fahrenden Wagen zu bauen.

Die Stadt Bochum jedoch hatte für die Bergstraße andere Pläne. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie zum Zeitpunkt der Antragstellung bereits mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG den Bau einer Straßenbahnverbindung über die Bergstraße nach Grumme verhandelte. Ein Vorhaben, das 1913 realisiert wurde.

Als Alternative erarbeitete die Westfälische Straßenbahn GmbH einen Entwurf zum doppelgleisigen Ausbau der Castroperstraße. Dieser wurde von der Stadt Bochum akzeptiert. Mehr noch: Sie erklärte sich bereit, die Straße auf 11 Meter zu verbreitern, die Eisenbahnunterführung am Schwanenmarkt zu ersetzen und die gefährlichen Brauereiausfahrten im Bereich des besonders abschüssigen Streckenteils zu verlegen.

Am 13. September 1913 wurde die Baustelle eingerichtet. Die landespolizeiliche Abnahme der insgesamt 2,5 Kilometer langen Ausbaustrecke zwischen dem Abzweig Harpen und dem Schwanenmarkt erfolgte am 24. Juni 1914.

AUSBAU DES SCHWANENMARKTES

Ein letzter wichtiger Baustein zur Ertüchtigung der Stammlinie der Westfälischen Straßenbahn war der Ausbau der Gleisanlagen am Schwanenmarkt.

Hintergrund dieses Projektes waren die recht häufigen Behinderungen durch Baustellen, aber auch durch Unfälle auf der recht engen „Stadtstrecke“. Als Alternative zur Stadtstrecke bot sich in solchen Fällen eine Mitbenutzung der 1905 durch die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG eröffnete Trasse vom Bahnhof Bochum-Nord über die Bleichstraße, die Obere Markt- und Buddenbergstraße, den Hellweg und die Bahnhofstraße an, über die die Verkehrsunternehmen bereits seit Anfang 1914 verhandelten.

Um das Vorhaben zu ermöglichen, sollte die Gleisanlage am Schwanenmarkt zu einem doppelgleisigen Gleisdreieck ausgebaut werden. Ein weiteres Gleisdreieck sollte an der „Schnittstelle“ der Gesellschaften – an der Einmündung der Bleichstraße in die Kanalstraße / Rheinische Straße – entstehen.

Im Juli 1914 hatten die Verkehrsbetriebe eine Einigung erzielt. Bevor die Verbindung jedoch hergestellt wurde, mussten mehrere Anlieger-Proteste aus dem Weg geräumt werden. Die Einsprachen und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verinderten eine schnelle Umsetzung der Pläne. Der Baubeginn verzögerte sich bis in den August 1915.

Erst am 25. Januar 1916 konnte die neue Gleisanlage abgenommen werden. Für die komplexe Gleisführung der nur 150 Meter langen Verbindung waren 611 Meter Gleis, elf Weichen und drei Kreuzungen erforderlich.

Im Sommer 1955 nahm mein Vater, Dr. Paul Schönefeld, den Schwanenmarkt auf. Der Schnappschuss aus dem Assistenzarzt-Zimmer des Elisabeth-Krankenhauses diente dazu, eine neu erworbene Kamera und einen Farbdiafilm auzuprobieren. Gut erkennbar ist das 1915/16 angelegte Gleisdreieck. Auf der Brücke sehen wir einen ETA des BW Wanne-Eickel bei der Einfahrt in den Bahnhof Bochum-Nord. Unter der Brücke tritt ein Straßenbahnzug der Linie 17 seine Fahrt über Harpen nach Lütgendortmund an.