NORD-SÜD-STRASSE

Die sogenannte „Stadtstrecke“, von der Kanalstraße über die Augustastraße, die Mühlenstraße und die Victoriastraße zum Bahnhof Bochum-Süd gehörte seit ihrem Bau zu den wichtigsten Verbindungen in Bochum. An ihr lagen das Bochumer Rathaus und die Post. An ihrem Ende befand sich die dreigleisige Endstelle vor dem „Handelshof“.

Der Zweite Weltkrieg hatte große Teile der Bebauung in Schutt und Asche gelegt. Vor allem im Bereich der Mühlenstraße und der Augustastraße, aber auch in der Victoriastraße, im Bereich früheren Wilhelmsplatzes (seit 1947 „Husemannplatz“) und in der ehemaligen Kaiserstraße waren die Zerstörungen enorm. Daraus ergab sich die Chance, auch die wichtige Nord-Süd-Achse vollständig neu zu gestalten.

Wie bei der Ost-West-Trasse wurde auch hier eine Straßenbreite von über 30 Metern angestrebt, um neben der doppelgleisig geführten Straßenbahn in der Straßenmitte für den Individualverkehr jeweils zwei Fahrspuren pro Richtung, Parkbuchten und relativ breite Bürgersteige realisieren zu können.

Im Frühjahr 1951 ging man das Projekt an. Da die Bezeichnung der neuen Straße nicht von Anfang an feststand, wurde diese in der Tagespresse erst einmal als „Nord-Süd-Straße“ bezeichnet.

Soweit es die Straßenbahn betraf, wurden erneut alle Abeiten unter „rollendem Rad“ durchgeführt. Allerdings fuhren die Straßenbahnlinien 2, 6, 7 und 17, 8 und 18 sowie 9 und 19 nur von Nord nach Süd durch die Baustelle. In Süd-Nord-Richtung wurde die Kortumstraße befahren.

AUF KELLERGEWÖLBEN

Im Mai 1951 war man bereits damit beschäftigt, die neuen Gleise im Bereich der ehemaligen Kaiserstraße, zwischen der Kreuzung mit der Rottstraße (heute Südiring), der Marienkirche und dem Handelshof zu verlegen. Hier lief die Trasse der Nord-Süd-Strasse über die zugeschütteten Keller von Kriegsruinen.

Um der Straße genügend Stabilität zu geben, wurde im Bereich der ehemaligen Keller als Untergrund für die Gleise und Fahrspuren eine Bodenplatte aus Stahlbeton gegossen. Dieses Verfahren hatte man bereits 1949, bei der Neuanlage der Endstelle am Katholikentagsbahnhof angewendet.

Im Mai 1951 wurden zwischen der Marienkirche und dem „Handelshof“ die neuen Gleise verlegt. Das nachfolgende, am 19. Mai 1951 aus erhöhter Position von der Handelshof-Baustelle aufgenommene Foto wirkt wie der Bau einer Modelleisenbahn. Die Gleise wurden hier – wie bereits das Provisorium zum Katholikentag 1949 – auf einem Fundament aus armiertem Beton verlegt.

An der gleichen Stelle entstand im Oktober 1951 auch das Titelbild dieses Beitrags. Inzwischen hatte Otto Dönninghaus die am linken Bildrand sichtbare Imbisshalle eröffnet. Er verkauft hier eine Bratwurst, deren Geschmack die Stadt Anfang der 1980er-Jahre in ganz Deutschland bekannt machen sollte (Stadt Bochum, Pressestelle).

GLEISSPANGE ÜBER DIE KIRCHSTRASSE

Am 1. Dezember 1951 war die Nord-Süd-Straße soweit fertiggestellt, dass die Linien 8 und 18 nunmehr in beiden Fahrtrichtungen die neuen Gleise benutzen konnten.

Um die Gleise von der Bahnhofstrasse in die Nord-Süd-Strasse zu führen, wurde ein Verbindungsgleis von der oberen Kortumstraße durch die Kirchstraße zum neuen Straßenzug gelegt.

Im Juli 1952 entfiel die Bezeichnung „Nord-Süd-Straße“. Faktisch hatte man sie zu keinem Zeitpunkt auf den Straßenschildern verwendet.

Am 8. Juli 1952 erhielt das Teilstück zwischen der Brückstraße und dem Rathaus den neuen Namen „Hans-Böckler-Straße“, das Teilstück vom Rathaus zum Bahnhof Bochum-Süd wurde jetzt in Anlehnung an die Vorkriegszeit durchgehend „Viktoriastraße“ genannt – in einer neuen Schreibweise mit „k“ statt mit „c“.

Die nachfolgende Zusammenstellung historischer Aufnahmen von 1949 bis 1953 dokumentiert den Wiederaufbau im Verlauf der Nord-Süd-Straße. Die darin enthaltenen Luftbilder wurden 1952 aufgenommen (© RVR – 1952 – dl-de/by-2-0).

  • Am 13. Dezember 1949 präsentiert sich die Viktoriastraße noch mit der alten Gleisführung.
    Stadt Bochum, Pressestelle