ZUM WALZWERK

Nachdem mit der Verbindung nach Eppendorf ein erster Streckenabschnitt in Richtung Westen existierte, überprüfte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG im Hinblick auf die zu erwartenden industriellen und städtebaulichen Entwicklungen weitere Optionen.

Als der Bochumer Verein mit neuen Produktionsanlagen in den Bereich der Gemeinde Höntrop expandierte, regte sie Anfang der 1920er-Jahre den Bau einer Strecke von der Zeche Engelsburg am Walzwerk des Bochumer Vereins entlang nach Höntrop und Steele an. In Steele wäre ein Anschluss an die eigene Straßenbahnverbindung Gelsenkirchen – Steele möglich gewesen.

Erfolg hatte sie damit zunächst nicht. Erst nach langwierigen Auseinandersetzungen mit dem Amt Wattenscheid und auf Vermittlung des inzwischen gegründeten Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk (SVR) konnte am 13. Dezember 1922 ein 700 Meter langer, neuer Steckenast von der Zeche Engelsburg zur Verwaltung des Walzwerkes Höntrop in Betrieb genommen werden. Dieser wurde mit der Linie 10 Bochum – Laer – Werne zu einer durchgehenden Linie Walzwerk Höntrop – Bochum – Werne Post verbunden.

Der Durchbruch für die Verlängerung vom Walzwerk zur katholischen Kirche in Höntrop gelang erst unter dem Eindruck der wirtschaftlichen Not, in die die Verkehrsunternehmen im Ruhrgebiet Anfang der 1920er-Jahre durch die französische Ruhrbesetzung und die Inflation gerieten. Sie erzwangen zunächst Rationalisierungen und später Gemeinschaftsverkehre der nach wie vor strategisch und wirtschaftlich konkurrierenden Verkehrsunternehmen.

GEMEINSCHAFTLICH

1924 wurde vom SVR eine durchgehende Verbindung von Günnigfeld über Wattenscheid und Höntrop nach Bochum angeregt. Dafür wurde im Juni 1924 in Höntrop mit dem Bau einer Gleisverbindung von der Endstelle der seit 1908 existierenden Linie Herne – Höntrop zum Walzwerk begonnen. Sie wurde am 16. September 1924 in Betrieb genommen. Fortan gab es als Linie 10 durchgehenden Straßenbahnverkehr zwischen Günnigfeld und Langendreer.

Die Linie 4 von Eppendorf über Bochum nach Witten Crengeldanz wurde über die Gleise der Westfälischen Straßenbahn bis Bommern südlich der Wittener Innenstadt durchgebunden.

Der Gemeinschaftsverkehr hatte bis zum 19. Februar 1928 Bestand. Ab dem folgenden Tag fuhr die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG als Linie 10 von Bochum nach Höntrop Kirche und als Linie 4 von Eppendorf nach Werne Post. Die Westfälische Straßenbahn betrieb wieder ihre Stammstrecke von Herne nach Höntrop.

In Höntrop hielten die jetzt wieder konkurrierenden Gesellschaften beiderseits der weiterhin bestehenden Gleisverbindung. Umsteiger mussten etwa 100 Meter zu Fuß gehen.

Nach der Übernahme der Westfälischen Straßenbahn durch die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn wurden ab dem 22. Mai 1937 die Linienwege nochmals neu geordnet. Nunmehr fuhr die Linie 4 von Höntrop Kirche nach Witten Hauptbahnhof und eine neue Linie 14 von Oberdahlhausen nach Werne und von dort über eine ehemalige Strecke der Westfälischen Straßenbahn bis Langendreer Bahnhof. Diese Linie erhielt wenig später die langjährige Bezeichnung 20.

Voraussetzung für den Gemeinschaftsverkehr war, nachdem die Alleestraße bereits Anfang der 1920er-Jahre doppelgleisig ausgebaut worden war, eine Durchleitung der Straßenbahn im Richtungsverkehr in der Bochumer Innenstadt. Auch die Wittener Straße musste an einigen Stellen noch doppelgleisig ausgebaut werden.

In Bochum verkehrten die aus Höntrop und Eppendorf kommenden Straßenbahnen von der ehemals eingleisigen Endstelle in der Bongardstraße über die Grabenstraße und die Schützenbahn zur Wittener Straße. Die aus Witten und Werne kommenden Straßenbahnen fuhren von der Wittener Straße über die Bongardstraße zum Rathaus.