ÜBER DEN HELLWEG

Die Bahnhofstraße und der Neumarkt waren um die Jahrhundertende eine „erste Adresse“ in Bochum. Prächtige Gründerzeit-Gebäude säumten – das zeigt das hier als Beitragsbild genutzte Postkartenmotiv aus dem Jahr 1905 – den zentral gelegenen Platz (Verlag Paul Caspar – Sammlung Ludwig Schönefeld).

Rund zwei Jahre nach der Eröffnung der Straßenbahnstrecke von Bochum zur Zeche Carl-Friedrich in Weitmar wurde für diese Linie im Verlauf des Jahres 1907 eine neue Endstelle vor dem Hotel „Lindenhof“ angelegt. Das Endstellengleis lag von der Friedrichstraße abzweigend in der nördlichen Bahnhofstraße.

Bereits kurze Zeit später wurde der Gleisstumpf der Ausgangspunkt einer neuen Innenstadtverbindung vom Bahnhof Bochum-Süd zum Bahnhof Bochum-Nord.

HELLWEGSTRECKE“

Die zwischen dem Sommer 1911 und Ende 1912 gebaute Netzergänzung führte quer durch die Stadt: Auf dem ersten Teilstück folgte die Trasse der nördlichen Bahnhofstraße (später Hellweg, heute Brüderstraße) zum Neumarkt. Weiter ging es über die Hellwegstraße (heute Hellweg) zur Buddenbergstraße (heute Massenberg- bzw. Bongardstraße).

An der Buddenbergstraße mündete die Hellwegstrecke in die bereits existierende Trasse in der Oberen Marktstraße (heute Bongardstraße). Nach wenigen Metern entstand ein Abzweig in die heute nicht mehr existierende Rosenstraße. Über die Bleichstraße wurde die Strecke dann zur Einmündung der Kanalstraße geführt. Auf den letzten Meter bis zur Endstelle am Bahnhof Bochum-Nord nutzte die Straßenbahn die Rheinische Straße.

Die neue Strecke wurde bis zum Abzweig in die Rosenstraße von Anfang an doppelgleisig ausgeführt. In der Rosenstraße wurde die Trasse eingleisig. Über eine S-Kurve wurde die Straßenbahn in die Bleichstraße eingefädelt. Die Endstelle am Bahnhof Bochum-Nord wurde als stumpfe Endstelle mit einer kurz davor liegenden Ausweiche angelegt.

Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 1912 wurde die Hellwegstrecke als neues Teilstück der Linie 8 auf der Relation Weitmar, Schulstraße (ab 1926 „An der Landwehr“) – Bahnhof Bochum-Süd – Bahnhof Bochum-Nord in Betrieb genommen.

ABZWEIG SCHWANENMARKT

Auf Initiative der Westfälischen Straßenbahn GmbH wurde zwischen August 1915 und der Inbetriebnahme am 25. Januar 1916 eine Verbindung von der Hellwegstrecke zum Schwanenmarkt und damit zu den Strecken nach Castrop und Lütgendortmund hergestellt.

Der von Anfang an doppelgleisig ausgeführte Abzweig am Schwanenmarkt ermöglichte bei Betriebsstörungen eine Aufrechterhaltung des Betriebs auf alternativen Routen.

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Im oben dargestellten Plan auf Basis eines Luftbildes aus den 1920er-Jahren sind die Hellwegstrecke in rot und die Verbindung am Schwanenmarkt in grün eingezeichnet (© RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0).

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Die abschließende Bildfolge zeigt die Hellwegstrecke in der Vorkriegszeit. Die eingebetteten Luftbilder stammen aus dem Archiv des Regionalverbandes Ruhrgebiet (© RVR – 1926-1938 – dl-de/by-2-0):

  • Diese "Künstlerkarte" zeigt sehr schön den Abzweig der Hellwegstrecke zur Bahnhofstraße.
    Postkarte ohne Verlagsangabe - Sammlung Ludwig Schönefeld