ÜBER DEN HELLWEG

Ein letzter Streckenausbau in der Bochumer Innenstadt diente der Weiterführung der 1905 eröffneten Straßenbahnverbindung von der Zeche Carl-Friedrich in Weitmar über den Bahnhof Bochum-Süd zum Bahnhof Bochum-Nord.

Die zwischen dem Sommer 1911 und Ende 1912 gebaute Verbindung führte über die nördliche Bahnhofstraße (später Hellweg, heute Brüderstraße), den Neumarkt und die Hellwegstraße (heute Hellweg) zur Buddenbergstraße (heute Massenberg- bzw. Bongardstraße). Von dort über die Obere Marktstraße (heute Bongardstraße) und die heute nicht mehr existierende Rosenstraße und die Bleichstraße zur Einmündung in die Kanalstraße und die Rheinische Straße.

Von der Endstelle der Weitmarer Linie in der Bahnhofstraße wurde die Strecke bis zum Abzweig in die Rosenstraße von Anfang an doppelgleisig ausgeführt. In der Rosenstraße wurde die Trasse eingleisig. Über eine S-Kurve wurde die Straßenbahn in die Bleichstraße eingefädelt und erreichte so schließlich das Umsetzgleis und die stumpfe Endstelle am Bahnhof Bochum-Nord.

Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 1912 wurde die „Hellwegstrecke“ als neues Teilstück der Linie 8 auf der Relation Schulstraße – Bahnhof Bochum-Süd – Bahnhof Bochum-Nord in Betrieb genommen. Ende 1913 wurden viele der im Dezember 1912 vorgenommenen Änderungen der Linienwege zurückgenommen. Die Linie 8 fuhr nun wieder vom Bahnhof Bochum-Süd nach Hattingen, während die Linie 3 (Zeche Carl-Friedrich – Bochum-Süd) bis zum Bahnhof Bochum-Nord geführt wurde.

Auf Initiative der Westfälischen Straßenbahn GmbH wurde von August 1915 bis zur Inbetriebnahme am 25. Januar 1916 über ein Gleisdreieck an der Einmündung Kanalstraße / Rheinische Straße eine Verbindung von der „Hellwegstrecke“ zum Schwanenmarkt und damit zu den Strecken nach Castrop und Lütgendortmund hergestellt. Sie ermöglichte bei Betriebsstörungen auf der „Innenstadtstrecke“ oder auf der „Hellwegstrecke“ eine Aufrechterhaltung des Betriebs auf alternativen Routen.

Eine weitere, eingleisige Gleisverbindung wurde zwischen der Bleichstraße über die Untere Marktstraße und die Brückstraße zur Dorstener Straße hergestellt. Diese Gleis wurde nach der Inbetriebnahme der „Hellwegstrecke“ von der Linie 6 auf der Fahrt vom Bahnhof Bochum-Süd nach Wanne-Eickel genutzt.

NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bebauung rund um den Alten Markt stark zerstört. Das Umfeld der Rosenstraße war bis auf das heutige Restaurant „Mutter Wittig“, das „Brauhaus Rietkötter“ und das Haus an der Ecke Weilbrinkstraße / Untere Marktstraße nicht mehr existent.

Bei der Neuanlage der Straßen wurden die Gleistrassen für die Straßenbahn zunächst beibehalten. Nunmehr verlief die „Hellwegstrecke“ durchgehend doppelgleisig vom Hellweg (ehemalige Hellwegstraße) über die neue Bongardstraße in die neue Bleichstraße (bestehend aus Weilenbrink- und Bleichstraße). Von der Bleichstraße wurde die Trasse dann wie in der Vorkriegszeit eingleisig über die Brückstraße zur Dorstener Straße und über die Bleichstraße zum Bahnhof Bochum-Nord geführt.

Mit der Inbetriebnahme des Innenstadtrings wurden die „Hellwegstrecke“ sowie die Gleise in der Bleichstraße und Brückstraße aufgegeben. In der Brückstraße lagen die ungenutzen Schienen zum Teil noch bis in die 1980er-Jahre.

Das Beitragsbild aus der Sammlung der Pressestelle der Stadt Bochum zeigt die neue Strecke kurz nach ihrer Eröffnung. In der Bahnhofstraße ist ein Straßenbahnzug der Linie 8 zu erkennen. Das kleine Gebäude links ist die Stadtwaage auf dem Neumarkt.