NACH HATTINGEN

Der Ausbau des Bochumer Nahverkehrsnetzes wurde zügig vorangetrieben. Ebenso wichtig wie die Strecken nach Herne, über Wattenscheid nach Gelsenkirchen und über Riemke und Eickel nach Wanne war die Verbindung über Weitmar und Linden nach Hattingen.

Bereits am 5. August 1895 hatte das Landratsamt Bochum die Genehmigung zum Bau einer Straßenbahn zwischen Bochum und Weitmar gegeben. Am 10. Mai 1897 wurden die Pläne im Bochumer Magistrat erörtet. Am 22. Juni 1898 konnte das Amt Weitmar mit der neuen, 3,8 Kilometer langen Strecke an das Straßenbahnnetz angeschlossen werden.

EIN AUFSTREBENDER AMTSBEZIRK

Weitmar war ursprünglich eine zum Amt Bochum gehörende Landgemeinde. Sein Wachstum verdankte der seit 1892 selbständige Amtsbezirk der Abteufung mehrerer Tiefbauzechen.

Die größte dieser Zechen war die Schachtanlage Prinz Regent. Etwas weniger bedeutend waren die Zechen Vereinigte General & Erbstollen und die Zeche Brockhauser Tiefbau.

Neben den Zechen hatten vor allem die Westfälischen Stahlwerke entscheidende Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung von Weitmar.

BOCHUM-SÜD – SÜDSEITE

Die neue Linie begann anfangs auf der Südseite des Bahnhofs Bochum-Süd.

Das Straßenbahngleis folgte auf der gesamten Strecke bis zum Amtshaus in Weitmar dem Verlauf der Hattinger Straße auf der stadtauswärts linken, südlichen Straßenseite.

Ein erster wichtiger Unterwegshalt waren die Bergbau-Berufsgenosschaftlichen Krankenanstalten Bergmannsheil. Das zwischen 1888 und 1890 gebaute Hospital hatte sich bereits in seiner Anfangszeit auf die Behandlung verunglückter Bergleute spezialisiert. Noch heute ist das Klinikum auf dem Gebiet der Chirurgie ein führendes Haus.

TOPOGRAPHISCH ANSPRUCHSVOLL

Eine besondere Herausforderung war von Anfang an die Topographie der Strecke. Mit einer Steigung von 33,3 Promille war der Abschnitt zwischen dem Bergmannsheil und der Einmündung der Kohlenstraße im Stadtteil Bärendorf besonders kritisch.

Von Bärendorf bis zum Amtshaus setzte sich die Steigung fort, so dass die Fahrzeugführer auf dieser Strecke immer ein besonderes Augenmerk auf die Sicherung der Straßenbahnzüge legen mussten.

Die Endstelle der Linie lag etwa 150 Meter westlich des Amtshauses in Höhe des Weitmarer Schloßparks.

Das Beitragsbild (Siemens Historical Institute) zeigt die vorübergehende Endstelle in Weitmar. Sie lag etwa 150 Meter hinter dem Amtshaus, dessen Nachbarhaus auf dem Foto hinten rechts zu erkennen ist.

Für das Personal wurde in Höhe des Umsetzgleises der auf dem Bild gezeigte Aufenthaltsraum errichtet: Da an der Endstelle in Bochum keine Pausenzeiten möglich waren, wurden die Pausen in Weitmar eingelegt.

Die anschließende Bildfolge zeigt Motive einer Straßenbahnfahrt von Bochum-Süd nach Weitmar in den ersten Jahren nach der Eröffnung.

  • 1902 begegnen sich am Bahnhof ein Solowagen und ein Zug mit Anhänger.
    Verlag Paul Caspar, Bochum - Sammlung Eberhard Brand