ERSTE BETRIEBSJAHRE

Die Linie von Bochum nach Herne wurde am 23. November 1894 als erste Straßenbahnlinie im Landkreis Bochum in Betrieb genommen. Die Pferdeomnibusse, die vor dem Bau der Straßenbahn zwischen Bochum und Herne verkehrten und deren Kapazität, wie auf dem Bild aus dem Bildarchiv der Stadt Herne gut zu erkennen, sehr begrenzt war, übernahmen jetzt neue Aufgaben auf „Nebenstrecken“.

Siemens & Halske erfüllte alle mit der Konzession verbundenen Verpflichtungen. Allerdings: Die Straßenbahnprojekte in Bochum und Gelsenkirchen forderten von Siemens & Halske erhebliches finanzielles Engagement. Es war absehbar, dass die ursprünglich erhoffte Rendite ausbleiben würde. Das erkannten auch die Städte und Gemeinden.

GRÜNDUNG DER BOGESTRA

Um die Städte und Gemeinden enger an die Straßenbahn zu binden und den öffentlichen Personennahverkehr auf ein langfristig solides finanzielles Fundament zu stellen, wurde am 11. Februar 1896 in Berlin die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (spätere Kurzform BOGESTRA) gegründet.

Die Städte Bochum und Gelsenkirchen traten der Gesellschaft als Aktionäre bei. Das Grundkapital der neuen Gesellschaft betrug 5 Mio. Mark.

Im Februar 1896 übernahm die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG die Konzessionsrechte von Siemens & Halske, verpachtete jedoch die Strecken rückwirkend zum 1. Januar 1896 gegen einen Pachtzins in Höhe von 6 Prozent für zunächst 5 Jahre an die Berliner Firma zurück. Siemens & Halske blieb damit für die Betriebsführung verantwortlich.

Das betraf alle Strecken mit Ausnahme der Linie von Bochum nach Herne. Sie war gesellschaftsrechtlicheigenständig und verblieb bei Siemens & Halske.

FARBIGE LINIENSCHILDER

In Bochum wurden mit dem Ausbau des Liniennetzes farbige Linienschilder eingeführt. Nach einem Bericht der „Allgemeinen Wattenscheider Zeitung“ vom 8. Oktober 1896 erhielt die Herner Linie grüne Zielschilder, die Wanner Linie rote Zielschilder und die Wattenscheider Linie blaue Zielschilder.

KAPITALAUFSTOCKUNG

Um den 1899 geplanten Streckenausbau um rund 42 Kilometer finanzieren zu können, wurde das Eigenkapital im Jahr 1900 auf 10 Mio. Mark verdoppelt. 1901 erfolgte eine weitere Kapitalaufstockung um 3 Mio. Mark.

1907 übernahm die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG selbst die Betriebsführung der Straßenbahn in Bochum und Gelsenkirchen. Siemens & Halske zog sich aus dem Verkehrswesen im mittleren Ruhrgebiet zurück. Allerdings verpflichtete sich die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG, in den folgenden 15 Jahren alle Aufträge für Motorwagen und Fahrleitungen Siemens & Halske zu übertragen.