ÜBER DEN RING

Die Bochumer Innenstadt wurde im Zweiten Weltkrieg großflächig zerstört. Damit war viel menschliches Leid und unermesslicher wirtschaftlicher Schaden verbunden. Der Stadt jedoch eröffnete die totale Zerstörung die Möglichkeit, die Verkehrsbeziehungen für die absehbare Zukunft neu zu denken.

So entstand bereits 1948 mit der Vision einer „autogerechten Stadt“ ein Neuordnungsplan für die Bochumer Innenstadt. Er sah ein großzügiges, vierspurig angelegtes Ringstraßensystem vor.

AUTOGERECHT

Im Zentrum des Neuordnungsplan stand ein neuer Hauptbahnhof, etwa 650 Meter östlich des bisherigen Bahnhofs Bochum-Süd. Der Ring führte vom Bahnhof in nördlicher Richtung zunächst über die bisherige Bismarckstraße und die Rheinische Straße (ab 1956 Ostring). An der Einmünder der Bleichstraße schloss sich der bereits 1945 aus Kanalstraße, Schwanenmarkt, Wielandstraße, Thomasstraße (bis 1933) und Imbuschplatz gebildete Nordring an. Vom Imbuschplatz wurde der Ring über die Humboldt-, Maltheser- und Gneisenaustraße (ab 1955 Westring). Das letzte Stück zurück zum Bahnhof verlief über die Rottstraße, die ab dem 15. Juli 1955 zwischen der Gneisenaustraße und der damaligen Baustelle des neuen Hauptbahnhofes in Südring umgetauft wurde.

Zwischen dem neuen Hauptbahnhof und der Rathauskreuzung wurde über die Wittener Straße, die ehemalige Buddenbergstraße, die Obere Marktstraße und die Bongardstraße eine neue, ebenfalls vierspurige Ost-West-Achse geschaffen. Sie erhielt im August 1955 die neuen Bezeichnungen Massenbergstraße und Bongardstraße und bildet heute den Bochumer „Boulevard“.

Eine innerstädtische Nord-Süd-Achse wurde vom Nordring aus unter Einziehung der Thomas-, Augusta- und Mühlenstraße die neue Hans-Böckler-Straße angelegt. Sie wurde am 8. Juli 1952 dem Verkehr übergeben. Den weiteren Anschluss nach Süden bildete die Viktoriastraße (jetzt mit „k“ statt „c“). Sie wurde über die Kreuzung mit der Rottstraße (Südring) unter Einziehung der Kaiserstraße bis zum Bahnhof Bochum-Süd fortgeführt und am Berliner Platz (seit 1. Januar 1979 Konrad-Adenauer-Platz) mit der 1952/53 neu angelegten Königsallee bis zum neuen Schauspielhaus durchgebunden.

Mit Ausnahme des westlichen Abschnitts des Nordrings und des Westrings wurde auf allen Trassen ein doppelgleisiger, in Mittellage eingepflasterter Fahrweg für die Straßenbahn vorgesehen. Im Südring und auf kurzen Abschnitten des Nordrings war dieser mit „Katzenaugen“ vom Fahrweg des Individualverkehrs getrennt. Ab den 1960er-Jahren wurde der getrennte Fahrweg auch von den in der Innenstadt verkehrenden Omnibuslinien genutzt.

Das Beitragsbild aus der BOGESTRA-Fotosammlung zeigt den Südring Anfang der 1970er-Jahre. Auf dem Bild ein Büssing Stadtbus des Typs 13 RU 7 H aus dem Jahr 1961 auf der Linie 53 und der 1959 gebaute Düwag-Triebwagen 298 auf der nur werktags verkehrenden Verstärkerlinie 28. Der Straßenbahnwagen wurde im Januar 1988 nach Lille verkauft. Der Omnibus wurde 1974 ausgemustert und über den Omnibushandel von Otto Lingner verwertet.