LEBENSMITTEL, ÖL
UND MASCHINENTEILE

Der fortschreitende Erste Weltkrieg führte im Verlauf des Jahres 1916 in ganz Deutschland zu einem zunehmenden Mangel an Pferden. Die Bochumer Fuhrunternehmen konnten nur unter großen Schwierigkeiten die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln sicherstellen.

LEBENSMITTEL

Vor diesem Hintergrund regte die Gemeinde Gerthe an, Lebensmittel vom Güterbahnhof Bahnhof Bochum-Nord über die 1905 gebaute Endstelle der Linie Weitmar, Zeche Carl Friedrich – Wiemenhausen – Bahnhof Bochum-Nord der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG und über das anschließende, 1910 für den Postverkehr angelegte Umsetzgleis in der Rheinischen Straße zur Apotheke in Gerthe zu befördern.

Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG stimmte diesem Vorhaben zu. Aufgrund der zugleich aufgerufenen hohen Anschlußkosten für die notwendigen Gleisverbindungen in der Rheinischen Straße verzichtet die Westfälische Straßenbahn GmbH jedoch auf den Straßenbahntransport. Sie beschaffte kurzerhand Lastautomobile, um die Notlage der Gemeinde Gerthe zu lindern.

MILCH

Ein weiterer Vorstoß der Gemeinde Gerthe betraf den Transport von Milchkannen vom Stückgutgleis am Bahnhof Bochum-Süd zur Apotheke in Gerthe. Im September 1917 wurden erstmals Milchkannen mit an den Linienwagen angehängten Güterwagen nach Gerthe gefahren.

Die Deutsche Reichsbahn war bei der Zustellung der Stückgutwagen allerdings sehr unzuverlässig. Da für die Be- und Entladung des Güterwagens zusätzliches Personal bereitgestellt werden musste, wurde der Milchverkehr nach zwei Monaten wieder eingestellt: Personal war im Ersten Weltkrieg schlichtweg wertvoller als Milch.

MASCHINENTEILE

Zwei weitere Güterverkehrsprojekte im Ersten Weltkrieg betrafen die Maschinenfabrik G. Wolff in Linden und die Firma Dr. C. Otto in Dahlhausen. Frachtführer sollte in diesem Fall die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG sein.

Von diesen Projekten sind nur der Bau und die Abnahme der Anschlussgleise am 26. Oktober 1918 dokumentiert. Insgesamt entstanden 260 Meter Strecke und eine 50 Meter lange Ausweiche für die Firma Dr. C. Otto und 165 Meter Gleis für den Anschluss der Maschinenfabrik G. Wolff.

Vorhandene Dokumente deuten darauf hin, dass auf diesen Gleisen bis 1924 ein bescheidener Güterverkehr durchgeführt wurde. 1925 wurde dieser aufgegeben. Am 20. Oktober 1927 begann der Abbau der Gleise.

GEMÜSE UND MINERALÖL

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Gütertransport mit der Straßenbahn neu entdeckt. Da zunehmend Lastkraftwagen für den Krieg in Anspruch genommen wurden, bereitete die Versorgung des Bochumer Großmarktes an der Stühmeyerstraße zunehmend Probleme. Gelöst wurden sie 1942 mit dem Bau eines Anschlussgleises. Es zweigte kurz hinter dem „Kortländer“ von der Dorstener Straße zum Großmarkt ab.

Über den neuen Gleisanschluß konnten die Transporte mit entsprechend umgebauten Arbeitswagen abgewickelt werden. Umschlagplatz für die per Eisenbahn nach Bochum gelieferten Lebensmittel war das bestehende Ladegleis der Straßenbahn am Bahnhof Bochum-Nord. Sechs Triebwagen, ein ehemaliger Beiwagen und zehn offene Güterwagen wurden zwischen 1941 und 1943 für den als „Gemüsewagen“ hergerichtet. Mit dem Kriegsende wurden die Transporte eingestellt.

Die 1913 gebauten Wasser-Sprengwagen I und II wurden zwischen 1943 und 1946 zum Transport von Mineralöl verwendet. Später kam der verbliebene Triebwgen I noch bis zum Juli 1980 bei der Unkrautbekämpfung auf Strecken mit eigenem Bahnkörper zum Einsatz. 1985 wurde er – einer Initiative des Autors dieser Webpräsenz folgend – als im Emschertalmuseum als Museumsfahrzeug erhalten. Inzwischen befindet er sich in Privatbesitz. Eine Erhaltung ist grundsätzlich vorgesehen. Zur Zeit ist das Fahrzeug nicht öffentlich zugänglich.