PROJEKT STEELE

Steele, hier zu sehen um die Jahrhundertwende auf einer historischen Postkarte aus dem Verlag Hermann Lorch, Dortmund (Sammlung Ludwig Schönefeld), bestand um die Jahrhundertwende aus mehreren Teilen:

Der westliche Teil hatte seit 1578 Stadtrechte. Die östlichen Gemeinden Königsteele, Freisenbruch und Eiberg waren preußisch. Sie waren seit 1817 Teil des Amtes Wattensheid.

Die südliche gelegene Gemeinde Horst gehörte zum Amt Hattingen.

Seit der Eröffnung der Straßenbahnstrecke von Gelsenkirchen nach Steele im Oktober 1897 betrieb die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG in Steele ein kleines Stadtnetz.

Es reichte seit 1905 im Westen bis zum Bahnhof in Rellinghausen und im Osten seit 1900 bis zum Bahnhof Steele-Nord (heute S-Bahn-Haltepunkt Steele-Ost) in Königssteele.

Im Zusammenhang mit einem Neubau der Eisenbahnüberführung am Bahnhof Steele-Nord war die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG gezwungen, weitergehende Straßenunterhaltspflichten in Königssteele zu übernehmen. Damit interessierte sie sich ab 1911 auch wieder für eine Fortsetzung des Streckenastes von Steele nach Bochum.

SCHARFE AUSEINANDERSETZUNGEN

Der Erste Weltkrieg und Zusagen, die die Westfälische Straßenbahn GmbH inzwischen vom Landkreis Gelsenkirchen bezüglich einer Straßenbahnstrecke von ihrer Endstelle in Höntrop bis Königssteele erhalten hatte, bremsten die Bochumer Initiative.

Es kam schließlich zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG und der Westfälischen Straßenbahn GmbH. Letztere bestand darauf, die geplante Strecke in Fortsetzung der Linie Herne – Höntrop zu bauen.

Als Schlichter engagierte sich der Anfang 1920 gegründete Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk. Er empfahl, das Projekt ausschließlich mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG weiterzuführen. Daraufhin zog sich die Westfälische Straßenbahn im Februar 1924 aus der Sache zurück.

ERSTE GLEISE

Inzwischen war der Individualverkehr auf der Provinzialstraße so stark gestiegen, dass man in der Straßenbahn zunehmend eine Verkehrsgefährdung sah. Das Straßenbahnprojekt wurde zwar weiterverfolgt, jedoch kam am 20. August 1925 zunächst eine Autobuslinie vom Grendplatz in Steele nach Höntrop unter der Regie der Essener Straßenbahn in Betrieb.

Ungeachtet der neuen Situation gab die Bochum-Gelsenkirchener Strassenbahnen AG noch nicht auf. Beim Ausbau der Provinzialstraße wurden zwischen km 24,6 und 27,7 sowie zwischen km 33,0 und 33,6 in dem neben der Straße verlaufenden, sogenannten „Sommerweg“ 3,7 Kilometer Gleis für die Verbindung Steele – Höntrop verlegt.

In anderen Abschnitten der Provinzialstraße – zwischen km 27,7 und 29,6 sowie zwischen km 29,6 und 33,0 – wurde die neue Pflasterung für die Aufnahme des Straßenbahngleises vorbereitet.

UNGESICHERTE FINANZIERUNG

Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Eingemeindung von Königssteele nach Steele war im März 1925 die weitere Finanzierung der Strecke nicht mehr gesichert.

Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG stellte das Projekt daraufhin im Januar 1926 ein.

Die Straßenbahnverbindung von Bochum nach Essen wurde nicht realisiert, der Bus blieb: Bis heute ist Essen-Steele vom Bochumer Stadtzentrum nur mit der S-Bahn direkt zur erreichen.