EINE KLEINBAHN

Das Amt Harpen musste selbst aktiv werden. Im Herbst 1907 beschlossen die Gemeindevertreter, eine eigene Straßenbahngesellschaft zu gründen. Da aufgrund des fehlenden Bahnanschlusses von Anfang an auch daran gedacht wurde, Güter auf der Bahn zu transportieren, bemühte man sich um einen Konzession als Kleinbahn.

Am 6. Dezember 1907 wurde die Kleinbahn Bochum – Gerthe – Harpen GmbH gegründet. Ziel war es, die Straßenbahnverbindung auf eigene Rechnung zu bauen und zu betreiben. Als Betriebsdirektor der neuen Gesellschaft konnte Paul Müller (1876 – 1927), ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem Bochumer Büro von Siemens & Halske, gewonnen werden.

Die Reihenfolge der Gemeinden im Namen der neuen Gesellschaft bezog sich auf Gerthe als Betriebsmittelpunkt. Zugleich wurde damit der Anspruch unterstrichen, Gerthe zum Zentrum des Amtsbezirkes auszubauen.

Am 17. August 1908 erteilte das Regierungspräsidium in Arnsberg die Konzession „zum Bau und Betrieb einer eingleisigen, elektrischen Straßenbahn vom Bahnhof Bochum-Süd nach Gerthe mit einer Abzweigung nach Kirchharpen“.

BAU UND INBETRIEBNAHME

Als Generalunternehmer für den Bau der Kleinbahn von Bochum nach Gerthe und Harpen wurden die Siemens-Schuckertwerke in Berlin verpflichtet. Am 15. Juli 1908 wurde mit dem Gleisbau begonnen.

Die Strecke begann am Schwanenmarkt in Bochum. Sie folgte der Castroperstrasse (heute Castroper Straße) in nordwestlicher Seitenlage – stadtauswärts links – bis zum späteren Abzweig Harpen. Dort teilte sie sich in einen Streckenast nach Gerthe über die Landstrasse von Bochum nach Castrop (später Castroper Hellweg) und einen Streckenast nach Harpen über die Landstrasse von Bochum nach Dortmund (später Harpener Hellweg).

Die Gleislage – stadtauswärts links – wurde auf beiden Streckenästen bis zu den Endstellen in Gerthe und Harpen beibehalten. Ausweichen gab es an den Endstellen, auf der Castroperstrasse in Höhe der Einmündung der Cäcilienstraße, an der Kreuzung mit der Parallelstraße, in Höhe des heutigen Kolpingplatzes und einige Meter östlich zwischen der katholischen Kirche und dem Zentrum von Harpen.

Auf einem Feld kurz vor der Gemeinde Gerthe, der früheren „Gerther Föde“, entstand der Betriebshof der Kleinbahn, eine Anlage mit einem repräsentativen Wohn- und Verwaltungsgebäude und einer anfangs vierständigen Wagenhalle.

Am 23. Dezember 1908 konnte die 8,6 Kilometer lange Verbindung von Bochum nach Gerthe und Kornharpen in Betrieb genommen werden. Als Erstausstattung standen der Bahn neun zweiachsige Triebwagen zur Verfügung.

Das Beitragsbild (Siemens Historical Institute) zeigt Triebwagen 7 einige Monate nach der Eröffnung 1909 am Schwanenmarkt in Bochum. Im Hintergrund ist die gemauerte Brücke der Rheinischen Bahn zu sehen. Sie wurde im Zusammenhang mit dem Ausbau des Castroper Hellwegs durch eine Stahlbogenbrücke ersetzt.