NEUE MOBILITÄT

Bald nach dem Abschluss der Aufräumarbeiten rund um das Stadttheater und der Wiederinbetriebnahme der Straßenbahn begann der schleichende Niedergang der Linie 9. Er steht in engem Zusammenhang mit der Neugestaltung des Gebiets rund um den Westfalenplatz, dem Neubau des Bochumer Schauspielhauses und der Änderung der Trassenführung der Bahnhofstraße, der heutigen Hattinger Straße und der Königsallee.

SCHLEICHENDES ENDE

Im Mai 1950 wurde als erstes Teilstück der Linie 9 der Abschnitt Kaiser-Aue – Zeche Constantin 6/7 endgültig aufgegeben. Dem folgt am 8. Dezember 1951 die provisorische Umstellung der gesamten Linie auf einen Omnibus-Ersatzverkehr. Sie wird mit der Neugestaltung der Verkehrsadern rund um den Westfalenplatz begründet, insbesondere dem „Durchschlag“ der neuen Königsallee vom Bahnhof Bochum-Süd zum Schauspielhaus.

Im August 1952 wird – trotz offiziellem Ersatzverkehr – die Oberleitung in Grumme entfernt. Im März 1953 wird der für eine Fortführung der Linie 9/19 vorgesehene Mittelstreifen der neu trassierten Königsallee zwischen der Wohlfahrtstraße und der Kreuzung Markstraße mit Erde verfüllt und begrünt.

Im Oktober 1953 entfernt man die Straßenbahnschienen auf der Kreuzung der Bergstraße mit dem Ruhrschnellweg. Im Juli / August 1954 werden schließlich auch zwischen der Kreuzung mit der Farnstraße und der Kreuzung mit der Wasserstraße die Schienen herausgerissen.

Zeitgleich erneuert die Stadt die Straßendecke der Königsallee zwischen dem Schauspielhaus und dem eigenen Bahnkörper in Höhe der Farnstraße: Bei der Neuanlage der Königsalle 1953 hatte man bereits auf eine Gleiskreuzung mit Durchführung in die Königsallee zugunsten eines Weiterbetriebs der Linien 9 und 19 verzichtet.

OMNIBUSLINIE 53

Das Omnibus-Provisorium wurde zum unumkehrbaren Dauerzustand. Die neue Omnibuslinie erhielt die Nummer 53.

Im Rückblick war die Einstellung der Linie 9 / 19 vielleicht ein Fehler. Beim Ausbau der Königsallee war zwischen der Farnstraße und Stiepel ein großzügiger Mittelstreifen für die Straßenbahn freigehalten worden. Nicht zuletzt war die 9 / 19  mit der Passage des Rechener Parks und des Stadtparks wohl auch die schönste Straßenbahnverbindung in Bochum.

Die Postkarte aus dem Jahr 1953 (Verlag Werner Teschner, Castrop-Rauxel – Sammlung Ludwig Schönefeld) zeigt das neue Bochumer Schauspielhaus und einen Omnibus auf der Linie 53.

  • Die Bergstraße in Grumme wurde bereits 1943 bombardiert. Die Straßenbahn fährt weiter.
    Sammlung Heinz-Günter Spichartz