NEUE TRASSEN

Der 1914 abgeschlossene Ausbau der Castroper Straße, die Ertüchtigung der Gleisanlagen am Schwanenmarkt und der Anschluß der Strecke an die Gleise in der Bleichstraße erleichterten die Betriebsabläufe der Westfälischen Straßenbahn auf ihrer Stammstrecke erheblich.

Aufgrund des doppelgleisigen Ausbaus gehörte die Verbindung zu den leistungsfähigsten Strecken in Bochum. Der Bau eines Anschlußgleises zur Kohleverladung in Höhe der Zeche Constantin und die Durchführung des Güterverkehrs konnten gut verkraftet werden.

Die Streckenäste nach Gerthe und Castrop sowie nach Harpen und Lütgendortmund blieben zunächst eingleisig: Die schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen der frühen 1920er-Jahre und die Ruhrbesetzung lähmten bis zur Einführung der Rentenmark jegliche Ausbautätigkeit.

Erst in den Jahren 1927 und 1928 konnte der lange geplante zweigleisige Ausbau zwischen dem Abzweig Harpen und der Apotheke in Gerthe realisiert werden. Die neue Ausbaustrecke verlief zwischen dem Abzweig Harpen und der Haltestelle „Heinrichstraße“ in Gerthe über einen eisenbahnähnlich angelegten, eigenen Bahnkörper. Zwischen der Einmündung der Heinrichstraße und der Apotheke in Gerthe lag die Straßenbahntrasse jetzt in der Straßenmitte.

In Gerthe entstand als Wende- und Warteplatz für die Einlegewagen des 10-Minuten-Taktes eine eingleisige Schleife und eine Ausweiche im Verlauf der heutigen Hans-Sachs-Straße.

WIRTSCHAFTSKRISE

Mit der Wirtschaftskrise geriet die aus der Bochum-Castroper Straßenbahn hervorgegangene Westfälische Straßenbahn in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Für die umfangreiche Investitions- und Ausbautätigkeit waren hohe Darlehen aufgenommen, die jetzt ihren Tribut forderten.

Die notwendige Rationalisierung des Betriebes war nur über eine Zusammenarbeit mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG möglich.

Vor diesem Hintergrund wurde die Linie nach Castrop 1931 mit der Linie Bochum-Süd – Weitmar – Dahlhausen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG als neue Linie A verknüpft.

Die Strecke nach Lütgendortmund wurde mit der Linie von Bochum zur Zeche Karl-Friedrich als neue Linie B gemeinsam mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn betrieben.

Die Linie A fuhr von 1931 bis 1936 zwischen dem Schwanenmarkt und dem Bahnhof Bochum-Süd weiterhin auf der Hinfahrt über die Heinrich-, Augusta-, Mühlen- und Victoriastraße und auf der Rückfahrt über die Friedrich-, Hoch- und Kortumstraße.

Die Linie B nutzte demgegenüber zwischen dem Schwanenmarkt und dem Bahnhof Bochum-Süd die im Januar 1916 als Entlastungsstrecke gebaute Verbindung über die Bleich- und Rosenstraße, die Obere Marktstraße, die Hellwegstraße und die nördliche Bahnhofstraße.

Am 2. Januar 1936 wurde der Gemeinschaftsverkehr auf der Linie B aufgegeben. Die Linie A blieb bis zur Übernahme der Westfälischen Straßenbahn durch die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn zum Jahreswechsel 1937/38 in Betrieb.

Ab dem 1. Januar 1938 erhielt die Linie A die Liniennummer 7. Zeitgleich mutierte die Linie B zur Linie 17.