STRASSENBAHN-BOOM

Ende 1912 erreichte die Bochumer Strassenbahn nach der Inbetriebnahme der Streckenäste auf der Königsallee und nach Grumme die bis dahin weitläufigste Ausdehnung. Zum Jahresende erschien ein neuer Fahrplan mit umfassenden Änderungen der Linienwege. Er wurde am 11. Dezember 1912 im „Märkischen Sprecher“ veröffentlicht und trat am 15. Dezember 1912 in Kraft:

Linie 1: Bochum Bahnhof Süd – Wattenscheid – Gelsenkirchen-Schalke Markt
Linie 2: Herne – Riemke – Bochum Bahnhof Süd – Weitmar – Hattingen
Linie 3: Wiemelhausen / Bochum Bahnhof Süd – Hamme – Eickel – Wanne
Linie 4: Engelsburg – Maarbrückerstraße – Laer – Witten (Crengeldanz)
Linie 5: Engelsburg – Maarbrückerstraße – Laer – Werne
Linie 7: Linden Bahnhofstraße – Dahlhausen Bahnhof
Linie 8: Bochum Bahnhof Nord – Bochum Bahnhof Süd – Schulstrasse
Linie 9: Rechenerbusch (Waldstraße) – Bahnhof Süd – Stadtpark – Grumme (Kaiser-Aue)

Die Änderung der Linienwege war nur von kurzer Dauer.

Ende 1913 fuhr die Linie 8 wieder vom Bahnhof Bochum-Nord nach Hattingen, die Linie 2 wurde zum Bahnhof Bochum-Süd verkürzt.

Die Linie 6 kehrte, auf großen Streckenstücken im Parallelverkehr mit der Linie 3 und mit einer neuen Endstelle an der Wasserstraße in Wiemelhausen, auf ihre „Stammstrecke“ von Bochum nach Wanne zurück.

Die Linie 4 erreichte jetzt Eppendorf. Für die Linie 9 wurde 1913 der Streckenast zu der neuen Endstelle an der Zeche Constantin 6/7 in Grumme fertiggestellt.

NEUE STANDARDWAGEN

Im Fahrzeugpark der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG schlug sich die boomende Entwicklung der Straßenbahn in der Beschaffung neuer Fahrzeuge nieder. Das Verkehrsunternehmen stand angesichts stetig steigender Fahrgastzahlen vor der Aufgabe, die Triebwagen der Baujahre 1894 und 1895 durch leistungsfähigere Fahrzeuge zu ersetzen. So wurden bei der Düsseldorfer Waggonfabrik (vormals Weyer & Co.) und bei der Waggonfabrik Uerdingen insgesamt 70 neue Triebwagen bestellt, zu denen die Waggonfabrik Uerdingen und die Dortmunder Union 1911 und 1912 insgesamt 34 passende Beiwagen lieferten.

Das Beitragsbild zeigt den 1901 von Weyer & Co. gebauten Triebwagen 122 auf der Linie 3 am Bahnhof Bochum-Süd, kurz vor der Abfahrt nach Wanne. Laut Fahrplan fuhr der letzte Planwagen vom Bahnhof Bochum-Süd um 6.22 Uhr nach Wanne. Alle späteren Kurse bis Mitternacht fuhren von und nach Wiemelhausen. Es ist gleichwohl wahrscheinlich, dass auch im Tagesverlauf Verstärkerwagen ab Bochum-Süd eingesetzt wurden. Das Postkartenmotiv aus der Edition „Marke Goldmagen“ entstand wahrscheinlich im März / April 1913. Die Karte wurde am 4. Mai 1913 verschickt (Sammlung Ludwig Schönefeld).