BETRIEBSHOF VOEDESTRASSE

Der Betriebshof an der Voedestraße wurde zur Eröffnung der Straßenbahnlinie von Bochum nach Herne gebaut.

Das Grundstück hatte die Stadt an Siemens & Halske verpachtet. Es wurde zuvor als Weide- und Marktareal vom städtischen Schlacht- und Viehhof genutzt. Aus diesem Grund verfügte der Betriebshof von Anfang an über ein Güteranschlussgleis zur Rheinischen Bahnstrecke. Ein Umstand, der insbesondere für die Anlieferung der Kohle für das Kraftwerk eine erheblicher Standortvorteil war. Auch die Bezeichnung der namensgebenden Voedestraße verwies auf die historische Nutzung der Fläche als Weideland.

Zu den neuen Betriebsgebäuden gehörten ein neu errichtetes, überschaubares Verwaltungsgebäude, das von Siemens gebaute Kraftwerk sowie eine nördliche und eine südliche Wagenhalle.

UMFUNKTIONIERTE MARKTHALLEN

Als Wagenhallen wurden anfangs stillgelegte Markthallen des Schlacht- und Viehhofes umgebaut. Der zur Eröffnung der Strecke Bochum-Herne genutzte westliche Teil der nördlichen Markthalle bot auf fünf Stellgleisen Platz für 13 Straßenbahnwagen, die notwendigen Werkstatteinrichtungen und Untersuchungsgruben. Zur Erstausstattung der Bahn gehörten gleichwohl anfangs nur fünf Trieb- und vier Anhängewagen.

Mit dem Ausbau des Betriebes wurden weitere ehemalige Viehof-Hallen für den Straßenbahnverkehr hergerichtet. Auf der nördlichen Seite wurden acht, auf der nördlichen Seite sechs zusätzliche Stellgleise geschaffen. Eine dritte, aus Backstein errichtete Neubau-Halle mit acht Stellgleisen kam nach der Jahrhundertwende im Anschluss an die südliche Halle hinzu. In diesem Ausbauzustand konnte der Betriebshof 73 zweiachsige Triebwagen und 32 Beiwagen aufnehmen.

Die Gleisanlagen waren überschaubar: Der Betriebshof war über zwei einfach gehaltene Zufahrtsgleise an die Strecke Bochum – Herne angeschlossen.

Ein Gleis führte über die Voedestraße zu einer Einfahrt an der Rückseite der nördlichen Wagenhalle. Über dieses Gleis wurde die zwischen den Hallen angeordnete, manuelle Schiebebühne erreicht, über die die Trieb- und Beiwagen auf die 27 Stellgleise verteilt werden konnten.

Das eigentliche Einfahrtgleis verzweigte sich auf dem Gelände in ein parallel zum Eisenbahn-Anschluss verlaufendes Gleis und ein Gleis mit dem das Ladegleis des Kraftwerkes sowie – über eine zweite Schiebebühne und eine Drehscheibe – zwei Aufstellgleise am Kraftwerk erreicht werden konnten.

In Fortsetzung des parallel zum Eisenbahnanschluss verlaufenden Gleises wurde eine Drehscheibe erreicht. Über sie bestand – als Alternative zur Zufahrt in der Vödestraße über das zweite Stellgleis der südlichen Abstellhalle ein zweiter Zugang zur zentralen Schiebebühne.

Die nachfolgende Bildfolge besteht weitgehend aus Aufnahmen, die um die Jahrhundertwende für Siemens & Halske aufgenommen wurden. Die Historischen Fotos sind bis heute im Siemens Historical Institute erhalten.

  • Der Betriebshof Voedestraße im Jahr 1910.
    BOGESTRA-Fotosammlung / Stadtarchiv - Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte FO 12

STROM AUS DAMPFKRAFT

Das Kraftwerk verfügte über zwei parallel gefahrene Wasserröhrenkessel mit jeweils 72 Quadratmetern Heizfläche. Der Dampf wurde zur Stromerzeugung über zwei liegende Kondensations-Verbunddampfmaschinen geleitet. Die Leistung lag bei jeweils 100 PS. Die zwei über Riemen-Transmissionen und Kupplungen angeflanschten Innenpol-Dynamomaschinen vom Typ J 51 stellten jeweils 70 KW Leistung bei einer Spannung von 550 Volt Gleichstrom zur Verfügung.

Die anschließende Bildfolge zeigt einige Fotos aus den ersten Betriebsjahren des Betriebshofes Voedestraße. Sie sind im Siemens Historical Institute in Berlin erhalten.

NUTZUNG ALS BAULAGER

Nach der Eröffnung des neuen Zentralbetriebshofes Wiemelhausen wurden die Straßenbahnfahrzeuge des Personenverkehrs vom Betriebshof Voedestraße abgezogen. Als Umschlag- und Lagerplatz blieb der Standort – das belegen neu aufgetauchte Bilddokumente – jedoch noch bis zum Abbruch der Hallen im Jahr 1936/37 genutzt.

Die Gebäude und Hallen wurden ab 1928 vermietet – vermutlich an lokale Handwerksbetriebe.

Vermutlich 1936 trennte sich die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG von dem Grundstück. An der Stelle der ehemaligen Betriebseinrichtungen der Straßenbahn befindet sich heute die weitläufige Grünanlage vor dem Deutschen Bergbau-Museum.

Die Fotos aus dieser Zeit werden auf dieser Website zum Teil erstmals öffentlich gezeigt. Sie sind im Auftrag des Deutschen Bergbau-Museums entstanden und dokumentieren die Aufgabe und den Abbruch des Betriebshofes in der Zeit vom Februar 1936 bis zum Abbruch der Hallen im Juli und August 1937.

  • Im Februar 1936 wird vermutllich noch einmal Baumaterial für die Straßenbahn über das
    Anschlussgleis des Betriebshofes Voedestraße geliefert.
    Deutsches Bergbau-Museum Bochum - Montanhistorisches Dokumentationszentrum