TRÜMMERBAHNEN

Obwohl die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG über einen beachtlichen Park an Arbeitsloren verfügte, wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in die Aufräumarbeiten im Bochumer Stadtgebiet einbezogen: Für Güterzüge auf Straßenbahngleisen gab es weder die erforderlichen Streckenkapazitäten noch ausreichend Personal. Stattdessen gab es in der Bochumer Innenstadt ein ausgedehntes Netz sogenannter „Trümmerbahnen“.

ERSTE STRECKE SCHON 1944

Die erste Strecke dieses Netzes hatte die Bochumer Stadtverwaltung nach der schweren Bombardierung der Innenstadt bereits 1944 angelegt. Sie führte aus dem zerstörten Stadtzentrum über die Buddenbergstraße und die Wittener Straße zum Steinbruch Schulte-Vels in Altenbochum. Wir sehen ihn hier auf einem Foto der Pressestelle der Stadt Bochum vom 13. September 1946:

Diese erste Trümmerbahn hatte eine Spurweite von 900 Millimetern. Diese Norm wurde auch bei den später aufgebauten Strecken beibehalten.

Als Gleismaterial kamen sowohl Feldbahngleise als auch Gleisjoche mit Holzschwellen zum Einsatz. Da die Züge recht lang und schwer waren, wurden die auf Holzschwellen verlegten Gleise teilweise eingeschottert.

UNTER BRITISCHER HOHEIT

Nach der Übernahme der Amtsgeschäfte durch die britische Militärregierung hatten die Räumung der wichtigsten Verkehrsachsen sowie die Instandsetzung öffentlicher Gebäude die höchste Priorität. Die entsprechenden Aufträge wurden an lokale Bauunternehmen im Akkord vergeben.

Vom 16. Juni 1946 an durften auch private Grundstücke geräumt werden.

Am Springerplatz im weitgehend zerstörten Stadtteil Stahlhausen wurde eine zentrale Sammel- und Aufbereitungsstelle für den Trümmerschutt eingerichtet (Stadt Bochum, Pressestelle):

Zur Beladung der Trümmerzüge wurden im gesamten Bochumer Innenstadtgebiet schwere Baumaschinen eingesetzt. Karl Brinkmann berichtet in seiner Bochumer Chronik, dass bis zum 31. März 1948 bereits rund 770.000 Kubikmeter Schutt aus der Stadt geschaft werden konnten, davon rund 120.000 Kubikmeter von privaten Grundstücken.

Nur so war es möglich, bis zum Katholikentag im September 1949 rund zwei Millionen Kubikmeter Schutt aus der Stadt zu schaffen. Eine Leistung, die am 22. Oktober 1949 von den Mitarbeitern der Trümmerbeseitigung am Springerplatz stolz gefeiert wurde (Stadt Bochum, Pressestelle).

ZAHLREICHE KREUZUNGEN

Auf den Trümmerbahnen kamen verschiedene Dampflokbauarten, aber vereinzelt auch Lokomotiven mit Benzin- oder Dieselantrieb zum Einsatz.

Über mehrere Jahre gab es fest installierte Kreuzungen mit der Straßenbahn: Eine dieser Kreuzungen befand sich in der Alleestraße an der Kreuzung mit der Humboldtstraße (heute Westring). Sie ist auf dem nachfolgenden Bild zu sehen (Stadt Bochum, Pressestelle).

Weitere Kreuzungen gab es in der Innenstadt im Zuge der ehemaligen Kaiserstraße in Höhe der Kirchstraße.

Ein neuralgischer Punkt war bis 1949 die im Beitragsbild gezeigte Kreuzung der Kortumstraße mit der Rottstraße (Stadt Bochum, Pressestelle). Hier kreuzten mehrere Straßenbahnlinien eine direkt zum Springerplatz führende Sammelstrecke der Trümmerbahn.

Da die aus Kipploren unterschiedlicher Bauart gebildeten Züge der Trümmerbahn lang, schwer und deshalb langsam waren, kam es im Straßenbahnverkehr an den Kreuzungen häufig zu Wartezeiten und Verspätungen.

DER SCHNELLE OSKAR

Nicht nur die Trümmerbahnen, auch die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG setzte in der Nachkriegszeit auf Dampfkraft. 1947 übernahm das Verkehrsunternehmen von der VDM Halbzeugwerke GmbH im sauerländischen Eveking eine Dampflokomotive, die dort seit 1942 als Werkslokomotive gedient hatte. Zuvor war die 1904 von der Maschinenfabrik Hohenzollern gebaute Maschine bei der Kleinbahn Piesberg – Rheine unter dem Namen „Kanal“ und anschließend bei der Hohenlimburger Kleinbahn als Lok 5 im Einsatz.

In der Lokwerkstatt der Henrichshütte und in der Straßenbahn-Hauptwerkstatt Weitmar wurde die Lok für den Straßenbahneinsatz ertüchtigt. Zur „Zusatzausstattung“ gehörte ein Stromabnehmer zum Schalten der elektrischen Weichen und ein Straßenbahn Scheinwerfer.

„Der schnelle Oskar“ – benannt nach dem damaligen technischen Direktor der Straßenbahn, Oskar Witz – war bis 1952 in Bochum im Einsatz. Nach anfänglichen Einsätzen auf der Linie 8 im Personenverkehr sah man die kleine Dampflok im gesamten Netz bei Schotterarbeiten.

1952 entstand ein Erinnerungsfoto vor dem Bochumer Betriebshof. Wie die Abdeckung auf dem Schornstein verrät, stand die Lok stand damals schon nicht mehr unter Dampf.

VIER MILLIONEN KUBIKMETER SCHUTT

In Summe wurden im gesamten Bochumer Stadtgebiet bis 1957 rund vier, nach anderen Quellen fünf Millionen Kubikmeter Trümmerschutt beseitigt. Der größte Teil des Materials wurde beim Wiederaufbau verwertet: vor allem als Packlage der neuen Straßen. Auch zur Befestigung des Geländes für die Abschlußmesse des 73. Deutschen Katholikentages an der Zeche Präsident wurde Trümmerschutt verwendet.

Ein weiterer Abnehmer waren die in größerer Zahl neu angelegten Sportplätze im Stadtgebiet. Der VfL Bochum nutzte für sein Stadion an der Castroper Straße Trümmerschutt zur Aufschüttung von Erdwällen für neue Tribünen.