LÜCKENSCHLUSS

Die Bochum-Castroper Straßenbahn entwickelte sich von Anfang an sehr gut. Noch mehr Erfolg versprach eine Weiterführung zum Bochumer Bahnhof. Dies war jedoch zunächst nicht möglich, da die Stadt Bochum der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG ein Monopol zur ausschließlichen Nutzung der Stadtstraßen gewährt hatte.

Die Bochum – Castroper Straßenbahn wehrte sich dagegen. Am Ende gelang es, gerichtlich den Bau einer Verbindung zum Bahnhof durchzusetzen.

Die 1,37 Kilometer lange Strecke begann am Schwanenmarkt. Sie führte zunächst durch die Kanalstraße (später Nordring) bis zur Thomasstraße (später Wielandstraße). Über diese, die Augustastraße und die obere Mühlenstraße (heute bildet der gesamte Straßenzug die Hans-Böckler-Straße) wurde das Rathaus erreicht. Von dort verlief die Strecke über die Victoriastraße, die Friedrich- und die Kaiserstraße (heute heißt der gesamte Straßenzug Viktoriastraße) zum Bahnhof.

Die Arbeiten zur Verlegung der Gleise begannen am 1. Mai 1910. Sie wurden von der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG im Auftrag der Bochum-Castroper Straßenbahn koordiniert. Ende September 1910 waren die Strecke fertiggestellt. Sie wurde sofort in Betrieb genommen. Die landespolizeiliche Abnahme erfolgte allerdings erst am 5. November 1910.

Die Endstelle am Bahnhof wurde mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG gemeinsam genutzt. Um ein Kreuzen der Triebwagen der Bochum-Castroper Straßenbahn zu ermöglichen, wurde in der Friedrichstraße eine Ausweiche angelegt.

Betrieblich machte es keinen Sinn, parallel durch die Bochumer Innenstadt zu fahren. Die Nutzung der Gleise in beiden Fahrtrichtungen führte darüber hinaus in den engen Straßen zu Konflikten mit anderen Verkehrsteilnehmern. Hinzu kam, das die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG sich gegenüber der Stadt verpflichtet hatte, wichtige Strecken doppelgleisig auszubauen – etwa Teile der Strecke über die Alleestraße.

Vor diesem Hintergrund einigte man sich, die Innenstadtgleise gemeinsam zu nutzen: für die Fahrt in Richtung Bahnhof wurden die Gleise der Bochum-Castroper Straßenbahn GmbH genutzt, für die Fahrt vom Bahnhof in Richtung Norden die der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG. Die Brückstraße erhielt dafür ein zweites Gleis mit einer Verbindung in die Augustatraße für die Bahnen aus Herne und Wanne. Am Rathaus wurde eine Verbindung für die Bahnen aus Gelsenkirchen gebaut. Am . Am Bahnhof endstand eine dreigleisige Aufstellanlage. Die Bochum-Castroper Straßenbahn erreichte über eine Gleisverbindung von der Heinrich- in die Kanalstraße den Schwanenmarkt.

Ab dem 15. Mai 1912 trug die Linie nach Castrop die Linienbezeichnung A, die nach Lütgendortmund die Linienbezeichnung B. Aufgrund des starken Verkehrsaufkommens wurde die Strecke zwischen Bochum und dem Abzweig Harpen im im Verlauf der Castroper Straße im Verlauf der Jahre 1913 und 1914 durchgehend doppelgleisig ausgebaut. 1915 /16 wurden auch die Endstelle Schwanenmarkt und die Streckenführung in der Kanalstraße doppelgleisig.

1927/28 folgte der zweigleisige Ausbau zwischen dem Abzweig Harpen der Apotheke in Gerthe, zum Teil auf einem eisenbahnähnlichen, eigenen Bahnkörper. Im Zusammenhang mit dem Ausbau des Ruhrschnellwegs wurde 1962 der Abschnitt vom Abzweig Harpen bis Hiltrop vollständig modernisiert. Von Juli bis September 1984 folgte in Verbindung mit dem weiteren Ausbau des Castroper Hellwegs und dem Abbruch einer Brücke der Anschlussbahn der Zeche Lothringen der Abschnitt von Hiltrop bis zur Heinrichstraße in Gerthe.