CASTROPERSTRASSE

Der Ausbau des Streckennetzes nach Castrop und Lütgendortmund wurde gut angenommen. An verkehrsreichen Tagen mussten zusätzliche Wagen auf die Strecke geschickt werden, um den Verkehr zu bewältigen. Die eingleisige Streckenführung auf der Castroperstrasse (heute Castroper Straße) erwies sich dabei zunehmend als Engpass.

Ein betriebliches und sicherheitstechnisches Problem war insbesondere das starke Gefälle der Castroper Straße zwischen der Einmündung der Cäcilienstraße (heute Klinikstraße) und dem Schwanenmarkt bei der „Talfahrt“ der Straßenbahn. Immer wieder kam es zu schweren Unfällen. Ein Beispiel dafür ist der umgestürzte Triebwagen 29 (Uerdingen 1914) vor der 1911 fertiggestellten Lutherkirche in Höhe der Einmündung der Cäcilienstraße (Privatbild von Charlotte Ewald, Sammlung Ludwig Schönefeld).

Um die Situation zu entschärfen, regte die Westfälische Straßenbahn GmbH an, für die Talfahrt nach Bochum eine Route mit weniger Gefälle zu nutzen. In diesem Kontext beantragte das Unternehmen am 25. November 1912 die Freigabe der Cäcilien- und Bergstraße, um dort eine neue Strecke für die talwärts fahrenden Wagen zu bauen.

Die Stadt Bochum jedoch hatte für die Bergstraße andere Pläne. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Sie zum Zeitpunkt der Antragstellung bereits mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG den Bau einer Straßenbahnverbindung über die Bergstraße nach Grumme verhandelte. Ein Vorhaben, das 1913 realisiert wurde.

Als Alternative erarbeitete die Westfälische Straßenbahn GmbH einen Entwurf zum doppelgleisigen Ausbau der Castroper Straße. Dieser wurde von der Stadt Bochum akzeptiert. Mehr noch: Sie erklärte sich bereit, die Straße auf 11 Meter zu verbreitern, die Eisenbahnunterführung am Schwanenmarkt zu ersetzen und die gefährlichen Brauereiausfahrten im Bereich des besonders abschüssigen Streckenteils zu verlegen.

Am 13. September 1913 wurde die Baustelle eingerichtet. Die landespolizeiliche Abnahme der insgesamt 2,5 Kilometer langen Ausbaustrecke zwischen dem Abzweig Harpen und dem Schwanenmarkt erfolgte am 24. Juni 1914.

Die Bildfolge dokumentiert den schrittweisen Ausbau der Castroper Straße, von der engen Landstraße der Jahrhundertwende bis zur vierspurigen Ausfallstraße.

  • Der Blick auf den Schwanenmarkt im Jahr 1909 macht deutlich, wie eng die Castroper Straße war.
    Siemens Historical Institute