AUF DER WENGE

In Wanne-Eickel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Chance genutzt, die Streckenführung rund um den Eickeler Markt zu optimieren.

Im Januar 1949 hatte sich im Bereich der eingleisigen Trasse ein schwerer Straßenbahnunfall ereignet (BOGESTRA-Fotosammlung): Zahlreiche Fahrgäste wurden damals verletzt, der umgestürzte KSW-Beiwagen 308 musste verschrottet werden.

Der Unfall führte allen Beteiligten vor Augen, wie wichtig es bei einer Zunahe des Individualverkehrs sein würde, die unübersichtliche Situation zu entschärfen.

Das neue Gleis der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG wurde jetzt doppelgleisig über die Rainer- und die Richard-Wagner-Straße zur Hauptstraße geführt. Für den Einsatz der Einrichtungswagen entstand in Höhe des heutigen Sankt-Jörgen-Platzes das Gleisdreieck „Auf der Wenge“.

Am 1. Juli 1954 gingen die neuen Gleisanlagen in Betrieb. Zeitgleich wurden die ersten Einrichtungswagen auf der Linie 6 eingesetzt.

EINSATZ VON EINRICHTUNGSWAGEN

Nachdem die Linie 6 sowohl in Bochum als auch an der Endstelle in Wanne-Eickel über Gleisschleifen verfügte und darüber hinaus mit dem zum Wendedreieck ausgebauten Abzweig zum Baulager Hamme an der Freudenbergstraße und dem Wendedreieck „Auf der Wenge“ auch im Streckenverlauf Wendemöglichkeiten bestanden, entwickelte sich die Linie 6 zu einer Domäne der Bochumer Einrichtungs-Straßenbahnwagen.

Die Bildfolge rekonstruiert anhand von Fotos aus den 1950er- bis 1970er-Jahren virtuell eine Fahrt mit der Linie 6 von Bochum nach Wanne-Eickel. Sie beginnt an der Hans-Böckler-Straße in Bochum und endet an der Ecke Hauptstraße / Goethestraße (seit 1988 „Kleine Dürerstraße“) in Wanne-Süd. An dieser Stelle befand sich bis zur Eröffnung des Wanner Bahnhofs 1914 die Endstelle der Linie 6.

Neben den meterspurigen Prototypen des Düwag-Einrichtungswagen (Triebwagen 250 bis 255) sah man auf der „6“ auch die 1955 und 1956 in eigener Werkstatt entstandenen Doppelgelenk-Triebwagen (Triebwagen 256 bis 260), die sogenannten „Schüttelrutschen“.

Das Beitragsbild vom 20. Juni 1976 (Foto Ludwig Schönefeld) zeigt Triebwagen den 1956 gebauten Düwag-Einrichtungswagen 254 mit Fahrtziel „Gerthe / Schürbankstraße“ an der Haltestelle „Auf der Wenge“ in Wanne-Eickel. Wenige Meter weiter, in Höhe des Wendedreieks – es ist auf dem Bild vor dem VW-Bus an der Führung der Oberleitung schwach zu erkennen – fotografierte Wolfgang R. Reimann am 27. Dezember 1963 Triebwagen 288 (Düwag 1958).

Stefan Höltge besuchte die Stelle rund 22 Jahre später: Am 12. Juni 1995 ist Triebwagen 38 (Düwag 1968) im Stadtbahn-Lack am Dreieck „Auf der Wenge“ unterwegs. Der Straßenverkehr ist dichter geworden, die Werbung bunter und zur Verkehrsregelung reichen einfache Straßenschilder nicht mehr aus.