VON „OELMANN“ ZUM SOLBAD

Im weiteren Verlauf der Kaiserstraße, der späteren Hauptstraße, erreichte die Straßenbahn das Bismarckdenkmal und die benachbarte, um die Jahrhundertwende sehr beliebte Gaststätte Oelmann.

Die in Höhe der Gaststätte liegende Haltestelle erhielt später die Bezeichnung „Gesundheitsamt“, wurde aber im Volksmund weiterhin „Oelmann“ genannt.

Von der Gaststätte Oelmann führte die Straßenbahnstrecke durch weitgehend unbebautes Gebiet zum Kurhotel, einem Betrieb des Sol- und Thermalbades Wilhelmsquelle.

THERMALBAD MIT KOHLESOLE

Die 1894 durch den Bauunternehmer August Franke gegründete Heilanstalt nutzte anfangs Thermalsole, die in rund 600 Metern auf der zwei Kilometer entfernten Schachtanlage Pluto gefunden worden war. Über eine Rohrleitung wurde sie zum Kurhotel an der Kaiserstraße gepumpt. Vor allem bei Rheumaerkrankungen versprach die 30 bis 40 Grad warme Sole Linderung.

Das Sol- und Thermalbad Wilhelmsquelle begründete den Ruf Wanne-Eickels als Sol- und Thermalbad. Die nachfolgende Postkarte wurde 1905 von Cramers Kunstanstalt in Dortmund aufgelegt. Die Kaiserstraße trägt bereits den Namen Bahnhofstraße. Das Kur-Hotel zeigt sich in seiner ursprünglichen architektonischen Gestalt. Zur Modernität der Jahrhundertwende gehörte 1905 auch der im Jahr 1900 gebaute Weyer-Triebwagen der Straßenbahn.

In den 1920er-Jahren wurde das Hotel aufgestockt und modernisiert. Dabei ging die ursprüngliche Fassade weitgehend verloren. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude vollständig zerstört.

Der Heil- und Kurbetrieb wurde 1949 in einem neuen Kur- und Badehaus, allerdings ohne Badebetrieb wieder aufgenommen. Heute wird die Institution unter der Bezeichnung „Rheumazentrum Ruhrgebiet“ durch die Katholischen Kliniken der St. Elisabeth Gruppe an einem neuen Standort und in modernen Gebäuden weitergeführt.

NUKLEUS DER STADTWERDUNG

Auf dem Streckenstück zwischen der Gaststäte Oelmann und dem Kurhotel entstanden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zahlreiche, für die Stadtwerdung von Wanne-Eickel wichtige Gebäude und öffentliche Einrichtungen: so die evangelische Zwölf-Apostel-Kirche in Wanne-Süd, die Wanner Filiale der Reichsbank, die im November 1912 dem Heiligen St. Joseph geweihte „Löwenkirche“ und die im Juli 1925 eingeweihte Stadthalle.

Bis auf die am 17. Januar 1942 nach einem Konzert abgebrannte Stadthalle sind alle genannten Gebäude noch vorhanden, zum Teil jedoch in neuer oder umgenutzter Form.

Das Beitragsbild aus dem Eröffnungsjahr der Straßenbahn (Siemens Historical Institute) zeigt einen nach Wanne-Eickel fahrenden Straßenbahnwagen in weitgehend unbebautem Gebiet. Heute ist diese Perspektive und Weitläufigkeit aufgrund der dichten Bebauung und des Baumbestandes kaum noch nachvollziehbar.

Im Hintergrund sind links die Katholische St. Marien Kirche an der Herzogstraße und rechts daneben der Malakow-Turm der Schachtanlage Hannibal II zu erkennen.

Das links im Bild zu erkennende Wohnhaus an der heutigen Langekampstraße wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Auf dem anschließenden Feld erstreckt sich heute der Sportpark Wanne-Süd. Die prägnanten Gasometer im rechten Bildteil in Höhe der heutigen Röhlinghauser Straße wurden in den 1950er-Jahren aufgegeben. Unmittelbar links vom Fotostandpunkt liegen die Grundstücke der „Löwenkirche“ und der ehemaligen Stadthalle.

Am 27. Dezember 1963 fotografierte Wolfgang R. Reimann den nach Bochum fahrenden Triebwagen 256 in Höhe der Haltestelle „Am Solbad“. Der Zebrastreifen lag damals vis-a-vis von der Löwenkirche.